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Rohes Ei

Rohes Ei

Taken on Nov 29, 2008 5:00:22 PM
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Die üblichen Hochzeitsspielchen, von denen ich sch...


Hochzeitsgesellschaft

Hochzeitsgesellschaft

Taken on Nov 29, 2008 4:59:49 PM
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Kollegen beim Mampfen.


Hochzeitsmenü

Hochzeitsmenü

Taken on Nov 29, 2008 3:48:49 PM
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Hier fehlen noch der Reis und das Süppchen, aber i...


Hochzeitspaar

Hochzeitspaar

Taken on Nov 29, 2008 3:49:59 PM
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Die Stars der 2. koreanischen Hochzeit, der ich be...


Koreanisierung


Es hat zwar ein wenig gedauert, aber so langsam stellt sich für mich doch das eine oder andere Anzeichen von Alltag und Normalität ein. Das wichtigste Anzeichen ist, dass ich mich endlich wieder ausweisen kann! Auch wenn das alles so seine Richtigkeit hatte ist es doch etwas unangenehm in einem fremden Land ohne Reisepass oder örtlich gültige Ausweisdokumente unterwegs zu sein. So lange die Einwanderungsbehörde meinen Pass hatte konnte ich meinen legalen Aufenthalt nämlich nur mit einer Empfangsquittung für diesen Pass belegen. Und ich glaube nicht dass sich im Zweifelsfall ein koreanischer Polizist von einem DIN A4 Computerausdruck oder einem deutschen Personalausweis beeindrucken lässt. Ganz abgesehen davon, dass ich ohne diese Dokumente z.B. noch nicht einmal ein Bankkonto eröffnen konnte. Womit wir dann beim nächsten Anzeichen eines normalen Alltags angekommen wären: ich habe jetzt auch endlich ein Bankkonto! Allerdings ist es noch leer. Aber so richtig. Der Kontostand befindet sich quasi auf dem schmalen Grat zwischen Schulden und Guthaben. Damit stehe ich wahrscheinlich aktuell besser dar als so manche Bank. Hoffentlich nicht besser als die, bei der ich gerade ein Konto eröffnet habe. Aber wir haben in unserem Teletubbytal hier ja sowieso nur eine Bank zur Auswahl, deswegen kann ich es mir eh nicht aussuchen.

Man hat also mittlerweile meine Fingerabdrücke gespeichert, mich uniformiert (zumindest Teilweise, habe ja keine Firmen-Polohemden bekommen... daher lerne ich in diesem Praktikum zumindest das Bügeln von Herrenhemden) und mir einen Firmenausweis, eine Alien Registration Card (bzw. laut Aufdruck ein „Certificate of Alien Registration“) und eine lilane Visakarte verpasst, die nur in Korea gültig ist. Ich habe sogar einen dieser tollen U-Bahn-Fahrkarten-Handyanhänger, die man am besten gut sichtbar aus der Hosentasche baumeln lässt. Damit bin ich schon FAST Koreaner. Man erkennt nur noch daran dass ich Ausländer bin, dass ich kein Handy habe an dem meine U-Bahn Fahrkarte baumeln könnte. Und vielleicht an den blonden Haaren, aber das fällt ja unter lauter Asiaten quasi kaum auf.

Die lilane Visakarte ist leider nur im Inland gültig (mal ehrlich... wer will schon lilane Kreditkarten annehmen?), dient dem direkten Zugriff auf mein Konto und benötigt zur Benutzung die Eingabe einer PIN-Nummer. Bei uns würde man also eher von einer EC-Karte sprechen, nur dass diese hier ein Visa-Logo ziert. Dafür kommt man hier in den Genuss sprechender Bankautomaten, bei deren Bedienung auch noch eine eifrige Bankangestellte zur Hilfe eilt sobald man auch nur kurz zögert den nächsten Knopf zu drücken. Man bildet also quasi direkt eine Skatrunde, bei der ein Teilnehmer (der Automat) ununterbrochen zweisprachig vor sich hin faselt. Das kann er übrigens besser als sonst jemand in Korea! Es gibt zwar sogar mindestens einen Radiosender der den ganzen Tag nur Englischlernsendungen sendet, aber selbst dort sprechen die Moderatoren nur entweder gut Englisch (meistens Amis oder Kanadier, die können dann nur ein paar einzelne Worte Koreanisch) oder gut Koreanisch (selbst bei den koreanischen Nachrichtensprecherinnen dieses Kanals hakelt das Englisch teils ein wenig). Dabei wird man hier viel mehr mit Englisch konfrontiert als bei uns, zum Beispiel sind alle ausländischen Filme im Originalton mit Untertiteln und auch die koreanische Popmusik ist relativ stark von Englisch durchwirkt (eine Strophe oder der Refrain sind meist auf Englisch). Zugegebenermaßen sind englische Liedtexte hier allerdings noch sinnentleerter als woanders auf der Welt, aber wenn keiner die Sprache versteht, dann stört das auch niemanden. Amerikanisches Fernsehen sieht man auch viel, Koreanische Nachrichtensender klauben ihre Ausschnitte nämlich hauptsächlich bei amerikanischen Sendern zusammen, man sieht dann immer z.B. das CNN Logo in einer Ecke und hört teils den Originalton. Ob sie das tatsaechlich dürfen oder einfach nur machen kann ich allerdings nicht mit Sicherheit sagen. Besondere Englischschulen, die Kinder nachmittags nach der normalen Schule besuchen können gibt es auch noch. Es müsste also sogar leichter sein Englisch zu lernen als bei uns, nur irgendwie funktioniert das hier nicht so ganz. Aber darüber werde ich mich bei Gelegenheit nochmal separat auslassen.

Nun, zurück zum aktuellen Tagesgeschehen. Dass es immer winterlicher wird merkt man jetzt auch am morgendlichen Bodenfrost, der die ganzen Kleinbauern und Gemüsebeetverwalter hier zur hastigen Kohlernte zwingt. Als weitere Kälteschutzmaßnahme sind jetzt auch die Goldfische, die bisher das Äußere unserer Werkhalle verschönert haben, in einer Nacht-und-Nebel-Aktion per Gabelstapler nach drinnen verlagert worden. Die Blümchen um den Fischteich herum durften auch mit. Sehr sozial, allerdings dürften dadurch langsam mehr Goldfische als Arbeiter in den Fabrikhallen sein.

In Sachen Stäbchenbenutzung kann ich Fortschritte vermelden! Ich muss also nicht verhungern! Allerdings mache ich das Ganze immer noch ein klein wenig falsch. Ich habe letztlich zwar mal die korrekte Technik nachgeschaut, aber da müsste ich jetzt nochmal quasi von vorne anfangen, also bleibe ich lieber bei meiner Variante. Mal abgesehen davon hat es mir große Befriedigung verschafft als letzte Woche einem meiner Kollegen sein Stück Fleisch (ich glaube es sollte Fleisch sein) mitten in die Suppe geplumpst ist, wo es definitiv nichts verloren hatte. Also können noch nicht mal die Asiaten vernünftig mit Stäbchen essen! Die korrekte Etikette der Stäbchenbenutzung habe ich auch mal nachgelesen, aber die scheint in Asien doch je nach Land zu variieren. Zum Beispiel spießen meine Kollegen gerne auch einfach mal etwas mit den Stäbchen auf, wenn es schwierig zu greifen ist. In Japan gilt das wohl als sehr schlechtes Benehmen. Die andere Möglichkeit ist natürlich dass meine Kollegen kein Benehmen haben, aber das kann ich sie schlecht fragen.

Am Samstag war ich auf einer weiteren Hochzeit eingeladen, da konnte ich meine Stäbchenakrobatik im direkten Nahkampf mit koreanischem Essen noch einmal auf die Probe stellen. Zentraler Bestandteil des Hochzeitsmahls war nämlich diesmal „Galbi“. Das sind koreanische Rippchen, mit relativ viel Fleisch dran und eintopfartig zubereitet. Also ein wenig wie Gulasch mit Knochen drin. Das schmeckt auch sehr lecker, ist allerdings mit Stäbchen unmöglich zu essen! Man muss nämlich mit den Stäbchen sein Rippenstück festhalten während man versucht das Fleisch davon abzunagen. Das ist ungefähr so effektiv wie Gemüsebrühe mit Messer und Gabel zu essen. Aber in Anbetracht dessen, dass hier so gut wie nie ein richtiges Stück Fleisch auf den Tisch kommt war die Motivation zur Meisterung dieses Kunststücks durchaus vorhanden! Allerdings muss ich sagen dass der Preis für diese Spezialität es durchaus in sich hatte... eine Portion (reicht für 2 - 4 Leute, je nachdem wie viel Fleisch jeder möchte) kostet je nach Zubereitungsart 25.000 - 45.000 Won, das sind so ungefähr 15-30 Euro (schwer umzurechnen, da der Won-Kurs aktuell Achterbahn fährt). Zum Vergleich: ein normales Mahl für eine Person kostet hier etwa 1.500 - 6.000 Won, also eher 1-4 Euro. Aber zum Glück waren wir ja eingeladen! Nebenbei gesagt gab es sogar einmal Galbi in der Firma zu essen. Dort handelte es sich aber wirklich mehr um Gulasch mit ein paar dekorativ beigelegten Knochen. Ein Kollege hat bei dieser Gelegenheit mit großen Augen verkündet dass er in den 3 Jahren, die er schon in dieser Firma ist (und isst) noch NIE Galbi zu essen bekommen hat! In der Hinsicht habe ich wohl Glück gehabt.

Die Hochzeit selbst hat mir besser gefallen als die erste koreanische Hochzeit, auf der ich vor ein paar Wochen war. Die meisten Gäste kamen zwar leider etwas spät und haben sich dann wieder lautstark während der Zeremonie unterhalten, es war aber wesentlich feierlicher. Die Halle war etwas hübscher und alles war etwas weniger auf Massenabfertigung ausgelegt. Z.B. gab es ein Streichterzett mit Pianobegleitung zur Musikuntermalung statt der wummenden Popmusik vom Band auf der anderen Hochzeit. Allerdings hat sich das Terzett ein paarmal so schön verspielt dass sich einem die Nackenhaare aufgestellt haben. Zum Verzehr der erwähnten Rippchen sind wir diesmal in ein Restaurant ein paar Straßen weiter gegangen, nicht in eine „Hochzeitsmensa“ wie beim letzten Mal. Obwohl das Restaurant auf den ersten Blick eher den Charme einer Imbissbude hatte muss ich sagen dass wir doch sehr, sehr gut gegessen haben! Auch war es dort entgegen des Ersteindrucks erstaunlich gemütlich. Das Gelage wurde allerdings schlagartig mit der Ankunft des Bräutigams beendet... anscheinend muss man bis dahin mit essen und trinken fertig sein. Dann gab es für das Brautpaar nochmal ein Biertrinkspielchen und die gleiche Schweinerei mit rohen Eiern wie beim letzten Mal und wir wurden wieder nach Hause geschickt. Ich glaube die An- und Abreise hat zusammen länger gedauert als die Hochzeit selbst, obwohl diesmal in der Innenstadt von Busan geheiratet wurde! Den Hochzeitskuchen hat übrigens auch diesmal wieder niemand gegessen. Dafür war er mehrstöckig und ohne Nebel- und Blitzeffekte. Aber nur die „Etage“ des Kuchens, die auch tatsaechlich angeschnitten wurde, war echt (man muss ja nicht übertreiben).

Sonntag bin ich mal mit dem Bus in die andere Richtung gegondelt als sonst. Nach einer Viertelstunde Fahrt durch stetig kleiner werdende Dörfer und Reisfelder kommt man ans Meer mit ein paar netten Fischerdörfchen. Eigentlich war es auch ganz hübsch da, nur das Atomkraftwerk an der Küste stört den Gesamteindruck ein wenig. Es hat allerdings niemanden vom Angeln abgehalten. Eigentlich wollte ich noch zu einem Tempel hier in der Nähe. Die Tour zu diesem Tempel scheiterte allerdings mal wieder an den örtlichen Nahverkehrsmitteln. Außerdem erwies es sich als hinderlich, dass aus der lateinischen Buchstabierung des Tempelnamens (hatte nur auf diese im Internet geachtet) nicht die genaue Aussprache ersichtlich war. Um exakt zu sein ging es nur um die Aussprache des ersten Buchstabens, aber das reicht schon um nicht verstanden zu werden. Da der Tempelplan somit erstmal fehlgeschlagen war und ich nicht noch länger auf einen Bus warten wollte der vielleicht nie kommt bin ich dann mit einem anderen Bus doch noch in die Stadt zum Haeundae Strand gefahren um dort ein wenig herumzuspazieren. Dabei hat sich auch ein Besuch des Aquariums angeboten. Irgendwie hat mich das Aquarium dann sehr an den Fischmarkt erinnert... nur dass auf dem Markt weniger gedrängelt wurde. Es hat mich auch irritiert, dass man im Aquarium Fahrten mit einem Glasbodenboot buchen konnte. Des Rätsels Lösung: im Aquarium von Busan gibt es ein großes Haifischbecken. Wer genug Geld und Zeit mitbringt darf darin eine Runde tauchen gehen (siehe Fotos). Das sah aber weniger aufregend aus als es klingt, da die Haie möglichst weit von den Tauchern wegbleiben und diese hauptsächlich auch nur in der Mitte des Beckens rumstehen dürfen. Wer es noch weniger aufregend mag, der kann sich mit einem Glasbodenboot auf dem Haifischbecken herumfahren lassen. Warum das besser sein soll als von der Seite in das Aquarium zu gucken kann ich nicht sagen. Es kostet auf jeden Fall mehr und die Warteschlange dafür war lang.

Insgesamt hatte das Aquarium einen erstaunlichen Fischreichtum zu bieten. Vielleicht das, was von den örtlichen Fischern als „nicht essbar“ eingestuft wurde. Obwohl ich nicht glaube dass es für Koreaner so etwas wie nicht essbare Meerestiere gibt. Teilweise hätten die Becken durchaus etwas grösser sein dürfen und man hätte mal das eine oder andere tote Viech herausfischen können (ein Feuerfisch war schon halb vergammelt). Auch konnte man mal sehen warum Fotografieren mit Blitzlicht sonst meist verboten ist. Hier wurde nämlich so viel geblitzt dass die meisten Fische direkt Reißaus genommen haben wenn man irgendetwas Kameraähnliches vor ihr Aquarium gehalten hat! Lustig war auch noch das offene Wasserbecken, wo man Tiere anfassen durfte. Da haben Angestellte immer einen Seeigel (!) und ein paar Seesterne in ein kleines Plastikwännchen gesetzt und den Kindern zum Anfassen gegeben. Ok... Seestern anfassen ist ja noch lustig. Den Seesternen schien das sowieso egal zu sein, die haben sich noch nicht mal bewegt als ein Kind angefangen hat einen Turm aus Seesternen zu bauen. Aber Seeigel? Als ich dabei war haben alle Mütter ihre Kinder erfolgreich davon abhalten können die Seeigel anzufassen, aber ich zweifle doch am pädagogischen Sinn der Maßnahme, einem kleinen Kind einen Seeigel in die Hand zu drücken.


Der Ausweis heißt Ausweis weil sich mit dem Ausweis auszuweisen verhindert dass man ohne Ausweis ausgewiesen wird!


PS: Ich wollte immer schon mal zur Bank gehen und den Satz „Ich möchte gerne eine Million auf mein Konto einzahlen“ gebrauchen! :-)



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Familienphoto

Familienphoto

Taken on Oct 26, 2008 12:48:11 PM
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Das Paar mit der Verwandtschaft in der "Hochzeitsh...


Hochzeitspaar

Hochzeitspaar

Taken on Oct 26, 2008 12:41:01 PM
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Frisch vermählt.


Empfang

Empfang

Taken on Oct 26, 2008 11:56:48 AM
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Der Bräutigam und seine Eltern beim Begrüßen der G...


Gardinchen

Gardinchen

Taken on Oct 26, 2008 1:42:27 PM
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Diese lustigen Gardinchen dürfen durchaus als typi...


Nachwuchs

Nachwuchs

Taken on Oct 26, 2008 1:15:48 PM
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Die Frauen haben alle zu Hause gelassen, aber ein...


Nachtwanderung und Hochzeit

An diesem Wochenende standen zwei Firmen-Events auf dem Programm. Und zwar samstags ein Firmenausflug, sonntags dann die Hochzeit eines Kollegen. Naja, eigentlich kenne ich den „Kollegen“ kaum, aber er hat quasi alle Leute aus dem Entwicklungszentrum eingeladen und mich dann über den Umweg meines Mitbewohners auch.

Aber zuerst zur Nachtwanderung: alles was ich zunächst wusste war, dass wir „Samstag mit der Firma auf einen Berg klettern“. Aha. Dazu noch nachts. „Gut“ dachte ich „wenn das nachts ist wird die Strecke wohl nicht sehr schwierig sein. Aber nachts sieht man doch nichts?“. Ha! Auf jeden Fall war das wohl ein größeres Event und es mussten alle mitmachen weil Sungwoo Hitech (meine Firma) dabei Sponsor war. Treffpunkt war der “Haeundae” Strand nahe der Innenstadt von Busan am frühen Abend. Schien schonmal eine ziemlich noble Wohngegend zu sein. Als ich dann fast der einzige war, der nicht in Sportklamotten aufgetaucht ist und sich fast alle auch noch eine Startnummer auf den Bauch geklebt haben (irgendwo stand auch noch was von „Marathon“ auf dem Plakat) wurde ich etwas skeptisch. In Jeans, Pulli und Straßenschuhen laufe ich bestimmt keinen Marathon! Aber ich wurde beruhigt: es würde bestimmt keiner wirklich rennen. Aber warum ich denn keine Sportklamotten angezogen hätte? Weil mir es 1. mal wieder keiner gesagt und ich 2. auch keine große Auswahl an Sportmode mitnehmen konnte, es sind ja nur 20kg Gepäck bei Korean Air erlaubt. Wenigstens habe ich einen kostenlosen Rucksack bekommen. Das wahr sehr toll, weil ich meinen aus Platz- und Gewichtsgründen auch in Deutschland lassen musste (naja, eher ein „Rucksäckchen“, aber geschenkt ist geschenkt). Nur Taschenlampen waren aus, normalerweise ist bei jedem Rucksack eine dabei. Das sollte mich in dieser Nach noch sehr ärgern. Um 7 Uhr Abends war dann Start des „Marathons“ und es sind tatsächlich alle nur losspaziert, von „Marathon“ konnte keine Rede sein.

Sobald wir im Wald waren änderte sich der Spaziergangcharakter dieses Events allerdings erheblich! Bis auf ein grünes Knicklicht als Wegweiser alle paar hundert Meter gab es hier nämlich nur Taschenlampen als Beleuchtung. Wie schön, dass ich keine mehr abbekommen habe! Dazu ging es nicht die Straße entlang sondern tatsächlich über Stock und Stein. In Europa würde so ein Event aus Sicherheitsgründen wahrscheinlich gar nicht stattfinden können! Ich meine das mit den Stöcken und Steinen nämlich wortwörtlich! Der Berg steht zwar quasi mitten in der Stadt, ist aber von der Steile und der Anzahl der Steine her locker mit den Alpen zu vergleichen! Naja, nach anfänglichem Stau hat mein Chef dann jedenfalls ein ordentliches Tempo vorgelegt und ich habe natürlich zugesehen, dass ich da auch halbwegs mithalten konnte! Spätestens beim Anstieg zu unserem Zielgipfel (584 Meter höher als der Strand) plumpsten die Koreaner dann links und rechts vom Weg in den Wald um nach Luft zu hecheln. Oben angekommen waren aus unserer Gruppe (ursprünglich 10 Leute) nur noch mein Chef, ein Kollege und ich übrig. Sonst war auch keiner aus unserer Firma zu sehen. Also hat der komische Ausländer (ich) sich wenigstens beim Bergsteigen behauptet, auch wenn alle trotz ca. 15°C am Schwitzen waren als wären wir in der Sahara. Spätestens hier hätte ich allerdings gerne etwas gegessen (wir sind um 16 Uhr zu Hause weg, also zu früh für Abendessen). Am Start gab es wenigstens noch ein Scheibchen Kimbab (gefüllte Reisrolle, sieht ähnlich aus wie Sushi und wird als „Wurst“ mitgenommen und scheibchenweise verzehrt. Ob auch Fisch drin war kann ich nicht mit Sicherheit sagen, aber ich hatte eben Hunger). Der Blutzuckerspiegel war jedenfalls dann beim Gipfelsturm spürbar im Keller, aber mein Chef fing zum Glück auch schon an von Essen zu phantasieren. Der Abstieg war bis auf ein paar halsbrecherische Stellen dann angenehmer, nur hatte sich die Wanderkarawane mittlerweile so zerstreut, dass wir uns nicht sicher sein konnten ob wir auch den richtigen Weg gehen. Es gab nämlich 3 Varianten: 10km (den sind wir gegangen), 65km (für ganz harte) und noch eine mittlere Strecke (26km?). Das Risiko, noch 10km weiterlaufen zu müssen hat mich nicht gerade zur Euphorie getrieben. Skeptisch haben mich auch die Schilder „Achtung, Minenfeld“ am Wegesrand gemacht. Auch eine Methode um Wildpinkeln zu verhindern. Aber wir haben das Ziel doch noch gefunden, dort eine Medaille und was zu Futtern bekommen (z.B. süße Brötchen gefüllt mit süßer Bohnenpaste) und ich bin jeder Menge wichtigen Leute vorgestellt worden deren Namen ich sofort wieder vergessen habe. Gegen 1 Uhr nachts waren wir dann zum Glück wieder zu Hause.

Zum Glück war ja Wochenende und wir mussten am nächsten Tag erst um 7:30 Uhr in der Frühe aufstehen um rechtzeitig den Bus nach Daegu (drittgrößte Stadt Koreas, ca. 1,5 Stunden Fahrt) zu kriegen. Ich sollte ja noch eine koreanische Hochzeit bestaunen dürfen. Im Bus gab es tatsächlich so etwas wie Stewardessen, die uns erstmal mit Reis und anderem Futter (WAS habe ich da eigentlich gegessen???) versorgt haben. Limo und Bier nicht zu vergessen. Die Hochzeit selbst fand dann in einer „Hochzeitshalle“ statt. Das war ein großes Gebäude, in dem nur geheiratet wird. Und zwar synchron auf 4 Etagen in jeweils ca. 30-45 Minuten Abstand. Dementsprechend schnell ging auch die Zeremonie vorbei. Hauptbestandteile waren eine Photo-Lovestory des Brautpaares im Vorfeld, der aus dem Westen übernommene Hochzeitsmarsch (bei dem zwei Ordonanzen mit Säbeln Spalier standen?), Verbeugungen vor beiden Elternpaaren, Liegestütze des Bräutigams mit gebrüllten Liebesbekundungen inklusive Umklammerung ihrer Knöchel und das Anschneiden einer nebelumwaberten winzigen Hochzeitstorte mit einem riesigen Kuchenschwert. Die Torte hat glaube ich nie jemand gegessen. Danach gab es noch ganz viele Photosessions mit dem Brautpaar, das hat vermutlich länger gedauert als die eigentliche Zeremonie.

Sobald das ausgestanden war sind alle in das gegenüber liegende Restaurant (gegenüber = auf der gleichen Etage) gerannt, wo ein riesiges Büffet darauf wartete geplündert zu werden. Natürlich auch von einer Hochzeitsgesellschaft nach der anderen. Nach dem Essen bleiben die Koreaner eigentlich nie sitzen, dementsprechend sind auch fast alle danach sofort aufgestanden und wollten nach Hause gehen. Allerdings ist der Chef der Abteilung erst spät aufgetaucht, war also noch am Essen und alle mussten pflichtbewusst auf ihn warten. Dann tauchte das Brautpaar nochmal auf, sie jetzt im traditionellen koreanischen „Hanbok“, und musste noch ein dummes Spielchen über sich ergehen lassen. Und zwar durfte der Bräutigam ein rohes Ei trinken und bei einem Kuss in den Mund der Braut befördern. Der nicht besonders tiefgehende Symbolismus dieses Eiweißtransfers von Bräutigam zu Braut muss wohl nicht weiter erläutert werden. Es war aber ziemlich eklig. Ein beliebtes Spiel ist wohl auch, dem frischgebackenen Ehemann ein Reiskorn in die Unterhose zu stecken, welches die Braut zur Freude aller Anwesenden dann dort herausfischen muss.

Tja, damit war dann auch schon fertig geheiratet. Ab in den Bus, noch mehr Essen und Bier mitgenommen und zurück nach Hause. Die nächste Hochzeitsgesellschaft stürmt ja bereits herein. Am Ausgang habe ich dann auch noch einen männlichen Koreaner im traditionellen Hanbok gesehen. Und was soll ich sagen: das Gewand war grellpink und sah aus wie ein Kleidchen. Ich kann absolut verstehen warum die anderen Männer westliche Kleidung bevorzugen. Bilder von beiden Begebenheiten könnt Ihr Euch natürlich auch angucken!

Engrish-Satz des Tages: „Two weeks ago, I broke my girlfriend!“ :-D

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