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Zen Einkaufen

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Taken on Dec 7, 2008 1:11:20 PM
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Manche haben beide Hände voll zu tun, andere benut...


Möbelgeschäft

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Taken on Dec 7, 2008 11:14:24 AM
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Einer der größten Möbelläden, die ich bisher in Ko...


Daegu bei Nacht

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Nachtleben in Daegu. Rechts oben auf dem Schild st...


Mehr Kitties

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Taken on Dec 6, 2008 9:13:30 PM
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Im ersten Stock des Hello Kitty Geschäfts gibt es...


Hello Kitty Laden

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Die volle Dröhnung Hello Kitty Fanartikel. In Wirk...


Hundeladen

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Eins von mehreren Spezialgeschäften für Hundewelpe...


Weihnachtsdeko

Weihnachtsdeko

Taken on Dec 6, 2008 8:36:49 PM
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Weihnachtliche Deko vor einem Handyladen in der U-...


Daegu - Teil 2

Die Stadt Daegu selbst hat übrigens einen merkwürdig provinziellen Eindruck hinterlassen. Busan fühlt sich schon immer sehr klein an, obwohl dort immerhin ca. 3,7 Millionen Menschen wohnen. Aber Busan mangelt es auch an einem richtigen Stadtkern, wie man ihn sonst gewohnt ist. Alles verteilt sich irgendwie ein wenig und es gibt keinen definitiven Bereich wo man sagen würde DAS ist die Innenstadt! In Daegu ist die Innenstadt zwar etwas offensichtlicher samt Hochhäusern und Einkaufsmeile, dafür mangelt es aber an Infrastruktur. So gibt es „nur“ zwei U-Bahn Linien, die wesentlich kürzer sind als in Busan. Dafür gibt es an mehreren Stellen Bushöfe, die auch noch jeweils aus mehreren Teilbushöfen bestehen. Der Bushof in Busan, von dem aus ich normalerweise Fernbusse nehme, besteht zwar theoretisch auch aus zwei verschiedenen Bushöfen, praktisch kann man aber alle Tickets an einer Stelle kaufen. In Daegu waren alleine dort wo wir angekommen sind mindestens 4 verschiedene Bushöfe, die alle unterschiedliche Ziele angeboten haben. Wenn man sich dort nicht genau auskennt muss man also alle 4 nacheinander abklappern um den zu finden, von dem aus Busse zum gewünschten Zielpunkt fahren. Um nach Haeinsa zu kommen mussten wir aber sowieso erst einmal die ganze Stadt durchqueren um zu einem weiteren Bushof zu gelangen. Es wirkt also alles irgendwie eher planlos und unausgegoren, nicht wie in einer großen Metropole wo alles aufgrund der hohen Einwohnerzahl glatt laufen muss. Dabei hat die Stadt Daegu etwa 2,7 Millionen Einwohner. Größte Stadt Koreas ist Seoul (10,4 Millionen Einwohner, das ist etwa ein Fünftel der Einwohner von Korea!), dann folgen Busan, Incheon und Daegu. Incheon und Daegu haben etwa gleich viele Einwohner, daher ist es schwierig zu sagen welche wirklich die drittgrößte Stadt von Korea ist. Dabei ist noch zu erwähnen dass der internationale Flughafen von Seoul eigentlich in Incheon liegt und beide Städte sogar per U-Bahn verbunden sind. Es ist also schon quasi schwierig Incheon als unabhängige Stadt zu sehen. Aber zurück zu Daegu.

Nach dem Einkaufen sind wir noch für ein Weilchen in einer Kneipe namens „Muinhen Ice Beer Pub“ eingekehrt. Muinhen ist das, was dabei rauskommt wenn die Koreaner „München“ buchstabieren. Entgegen unserer Hoffnungen gab es dort keine einzige deutsche Biersorte, allerdings ein paar Sorten aus Japan, Belgien, Holland und den USA. Wir haben dann lieber mal koreanisches Bier vom Fass probiert. So lange man es nicht direkt mit einem richtigen Bier vergleicht kann man es einigermaßen trinken. Ausländisches Bier kostete im „Muinhen“ auf jeden Fall drei- bis viermal so viel wie ein lokales Bräu. Man hatte sich bei der Namensgebung daher wohl eher an den Preisen des Münchner Oktoberfestes orientiert. Die Ausstattung der „Kneipe“ war auch eher ungewöhnlich. Obwohl durchaus ein wenig Kneipenatmosphäre herrschte saß man auf bequemen, modern designten Sofas und auch die Deko erinnerte mehr an eine trendige Lounge als an eine Bierkneipe. Dafür konnte man auf einer Leinwand einer Begegnung im Kickboxen folgen. Wie immer haben die meisten Koreaner zu ihren Getränken reichlich Essen bestellt; wer nichts bestellt hat wurde alibimäßig mit ein paar süßen Kräckern und Seetangblättchen mit Sojadip versorgt. Ich möchte zwar nicht jedes Mal beim Trinken auch noch Unmengen essen, finde es aber durchaus angenehm dass man hier in so ziemlich jeder Kneipe die Möglichkeit hat, gutes und günstiges Essen zu bestellen. Bleibt noch zu klären was ein „ice pub“ ist. Wer eine bestimmte Biervariante (ich glaube ein großes Glas Fassbier, wir hatten uns zusammen einen Pitcher bestellt) bestellt, der erhält in dieser Kneipe ein Gestell mit einem runden Eisblock, in dem sich das Glas befindet. Wenn man das Bier ausgetrunken hat, dann kriegt man einen Handschuh und darf mit dem Eisblock auf eine Zielscheibe werfen um sich ein Freibier zu erspielen. Eigentlich eine ziemlich lustige Idee. Außerdem bin ich mir ziemlich sicher, dass die große Zahl von Amerikanern in dieser Kneipe dadurch zu erklären ist. Wenn man schon keine Eiswürfel in sein Bier kriegt, dann ist ein Bier im Eisblock vermutlich die beste Alternative für den amerikanischen Gaumen.

Nach dem kurzen Ausflug ins koreanische München wurde es dann langsam Zeit einen Schlafplatz zu finden. Dummerweise hatte ich es versäumt, zu Hause noch die Namen einiger Jimjilbangs aufzuschreiben. Aus Gründen, welche mir bislang noch nicht ausreichend bekannt sind, geben Taxifahrer nämlich sehr ungern Auskunft über den Fundort des nächsten Jimjilbang und fahren einen auch nur dorthin, wenn man ein Jimjilbang beim Namen nennen kann. Nach diversen Überlegungen wollte ich dann gerade in einer Telefonzelle die Gelben Seiten (gibt’s auch hier!) nach geeigneten Jimjilbangs durchforsten als uns auch schon zwei Koreaner ihre Hilfe angeboten haben. Manchmal sind die Leute hier ja doch wirklich hilfsbereit und freundlich! Hilfsbereite und freundliche Leute ergreifen in Korea jedoch nie den Beruf des Taxifahrers. Also, Namen gewusst, Taxi genommen (Kostenpunkt: 2 Euro), Jimjilbang gefunden. Leider waren wir spät dran und die Bäder wurden gerade geputzt, also gab’s nur noch ein kurzes Aufwärmen in einer halbwarmen Gemeinschaftssauna und eine heiße Dusche bevor wir uns mit ein paar Decken bewaffnet eine ruhige Ecke zum Schlafen gesucht haben. Zur Erinnerung: der Badebereich mit Dampfbädern und heißen Saunen ist nach Geschlechtern getrennt und nackt zu benutzen. Der Gemeinschaftsbereich wird nur in speziellen Klamotten betreten, bietet viele Saunen im lauwarmen bis warmen Bereich und verfügt ansonsten über Fußbodenheizung. Man kann nicht nur überall schlafen wo man möchte sondern tut es auch.

Nach kurzem Schlaf kamen dann gegen 3 oder 4 Uhr morgens leider wieder die unvermeidlichen Besoffenen herein getorkelt. Ich hatte mir gerade im Halbschlaf fest vorgenommen einfach weiter zu schlafen als auch schon einer von ihnen auf mich drauf getreten ist. Danach war ich leider wach, er hat sich aber wenigstens entschuldigt. Wenige Sekunden später wurde neben und hinter mir nach Leibeskräften geschnarcht. Synchron fing eine Frau an ihren Mann halblaut zurechtzustutzen. Den genauen Wortlaut konnte ich nicht verstehen, ich bin mir aber ziemlich sicher dass er der Meinung seiner Frau nach weniger trinken sollte und dass sie nicht unbedingt eingeplant hatte mitten in der Nacht mit ihrem besoffenen Mann ein Jimjilbang aufzusuchen. Die Nachzügler haben sich übrigens ziemlich schmerzfrei an jede freie Stelle gedrängt, daher habe ich die Gelegenheit genutzt mich auf meiner Decke so breit wie möglich zu machen und wurde von all zu aufdringlichen Nachbarn verschont. Die Schnarcherei und Streiterei ging noch lange genug weiter um eine ganze Reihe Leute aus dem Raum zu vertreiben, aber irgendwann war dann endlich „Ruhe“.

Aufgeweckt wurde ich am nächsten Morgen durch eine Frauenstimme, die leise stöhnend so etwas wie „ah... ja... ja... oh, jaaaaa!“ von sich gab, begleitet von einem leise klatschenden Geräusch. Ich habe mir noch mit geschlossenen Augen gedacht dass es wahrscheinlich nicht das ist, wonach es klingt, aber dann lieber mal die Augen aufgemacht um mich zu vergewissern. Ein paar Schlafplätze weiter war gerade ein Mann dabei, seiner Frau/Freundin den Rücken zu massieren. Ein Schelm, wer anderes erwartet hat. Caro hatte nachts ihren Platz gewechselt und ist ein paar Meter weiter gezogen. Sie war nämlich nicht so schlau sich auf ihrer Decke schön breit zu machen und so hat sich jemand einfach dazugelegt. Plötzlich eine Schnapsleiche neben sich auf der Decke liegen zu haben ist ja schon grenzwertig. Allerdings war besagter Trunkenbold wohl auch sonst nicht kontaktscheu und hat sich dann später schön an sie gekuschelt. Das hat dann doch gereicht um sie in die Flucht zu schlagen, aber der Typ hat sich auf diese Weise zumindest eine Decke erobert. War aber halb so schlimm, schließlich hatte sie sich zwei Decken ausgeliehen.

Nach einer Runde Sauna und Planschen im Jimjilbang, was wie immer sehr neugierig von den Koreanern verfolgt wurde (die gucken ja schon doof wenn man noch angezogen ist) ging es wieder hinaus in die Kälte. Eigentlich wollten wir uns nun den bekannten Heilkräutermarkt von Daegu angucken, ein Markt für Zutaten und Mittelchen der traditionellen koreanischen Medizin und der größte seiner Art in diesem Land. Dummerweise war von einem richtigen Markt nichts zu sehen und die ganzen Heilkräutergeschäfte dort haben sonntags geschlossen. Nächster Programmpunkt wäre der Donghwasa Tempel gewesen, der für einen großen Steinbuddha bekannt ist. Leider war ich mir nicht mehr ganz sicher von wo aus ein Bus zu diesem Tempel fährt und meine leicht übermüdete Reisegefährtin schien auch nicht besonders motiviert zu einer Suche nach selbigem. Also haben wir uns statt in einen Bus zum Tempel in einen Bus zurück nach Busan gesetzt und waren somit schon zur Mittagszeit wieder in Busan. Da die seltene Freizeit genutzt werden will habe ich meine Mitstreiterin dort mit Wünschen zu einer geruhsamen Nacht verlassen und mich noch schnell in einen Bus Richtung Tongdosa gesetzt. Das ist der Tempel zu dem ich es letztlich nicht mehr geschafft habe und die Fahrt dorthin dauert nur ein halbes Stündchen.

Falls jemand das Muster bemerkt hat: es ist kein Zufall, dass alle Tempelnamen hier in –sa enden. Diese Endung bedeutet einfach „Tempel“. Korrekt wäre also z.B. auf Deutsch zu sagen Tongdo-Tempel, statt Tongdosa Tempel, da dies doppelt gemoppelt wäre. Viele Tempelnamen klingen ohne das –sa in meinen Ohren allerdings ein wenig komisch, daher kann es durchaus vorkommen dass ich manchmal doppelt moppele. Es lässt sich auch nicht abstreiten, dass ich auffällig viele Tempel in meiner Freizeit abklappere. Tempelgucken und Wandern zählen aber unbestreitbar zu den Hauptattraktionen für Touristen in diesem Land. Gewandert bin ich (meiner Meinung nach) schon in ausreichendem Maße, außerdem wird Wandern mit zunehmender Kälte und abnehmender Baumbegrünung nicht unbedingt attraktiver. Bleiben also noch Tempel, zu denen man (ohne Auto) meist sowieso ein Stückchen hin wandern muss und die zum Glück meist in malerischen Bergregionen liegen. Die Tempel finde ich bisher auch noch recht interessant (ich verbringe ja nebenher genug Zeit in den Städten etc.) und im Vergleich zu dem konfuzianischen Schrein von letztlich gibt es dort wirklich viel zu gucken! Außerdem sind buddhistische Mönche grundsätzlich erstmal faszinierend, auch wenn sie leider kein Kung Fu machen. Also hoffe ich, mein ständiges Tempelgeschwafel (und die ständigen Tempelfotos) langweilen noch niemanden. Wen es beruhigt: es gibt nur noch 2 Tempel hier in der Nähe die ich mir angucken möchte (3 falls ich doch nochmal nach Daegu fahre) und dann ist erstmal Schluss mit der Tempelei.

Aber zurück zum Tongdo-Tempel. Im Lonely Planet steht, man soll sich dem bescheidenen Bushof zuwenden und zu linker Hand die erste Straße in diese Richtung nehmen. „Bescheidener Bushof“ ist dabei allerdings die Übertreibung des Jahrhunderts, da ich außer zwei stinknormalen Bushaltestellen nur einen winzigen Kiosk ausmachen konnte. Der Kiosk verkaufte aus einem winzigen Seitenfenster aber immerhin Busfahrkarten. Also habe ich zur Sicherheit nochmal nach dem Weg gefragt, es war nämlich erstmal weit und breit kein Tempel zu sehen. Die Wegbeschreibung stimmte tatsaechlich im Großen und Ganzen. Das Städtchen, welches den Tempel umgibt ist nur leider ein wenig trostlos. Man geht ca. 1km durch eine phantasielose Landschaft aus billigen Motels, Supermärkten und Restaurants bzw. Snackbuden bis zum Haupttor („Haupteinfahrt“ wäre passender!) von Tongdosa. Die ganze Kleinstadt scheint komplett von den Touristen zu leben, die diesen Tempel besuchen (und das sind hauptsächlich Koreaner)! Von der Einfahrt bis zum eigentlichen Tempel ist es zu Fuß ein weiterer Kilometer, diesmal allerdings durch einen Waldweg, der beidseitig von bunten Lampions geschmückt war. Rechts vom Weg konnte man den einen oder anderen großen Felsen sehen, an welchen sich die Mönche der vergangenen Jahrhunderte anscheinend mit dem Eingravieren buddhistischer Texte beschäftigt haben.

Spätestens wenn man sich dem eigentlichen Tempel nähert warnt einen der riesige Parkplatz davor, dass hier etwas mehr Betrieb herrscht als anderswo. Gegen Tongdosa war waren selbst die anderen großen Tempel geradezu menschenleer und wie ausgestorben! Die Mönche von Tongdosa scheuen sich dabei auch nicht ordentlich Geschäft aus den Besucherscharen zu schlagen. Der Tempel verfügt über ein massives Museum (bin nicht drin gewesen, sieht aber aus als könnte es einem Krieg standhalten... vielleicht haben sie Angst die Japaner kommen wieder und bringen Streichhölzer mit?), Restaurants, Souvenirshops und was man sonst noch so braucht um große Menschenmassen abzufertigen. Aber so touristisch dieser Tempel auch schien: es wurde überall fleißig gebetet. Der Tempelkomplex ist wirklich groß. Das bemerkt man schon dort, wo normalerweise die Glocke hängt. Statt einer einsamen Glocke hängen in dem Gebäude nämlich genug Glocken, Trommeln und Gongs um eine halbe Bigband zu beschäftigen! Auch die Gebäude sind entsprechend groß, daher bin ich ausnahmsweise auch mal reingegangen. Hier sind einige Hallen nämlich dermaßen ausgedehnt, dass man problemlos durchlaufen kann ohne die Leute beim Beten zu stören.

Tongdosa ist einer der drei „Juwelentempel“ in Korea, also der drei wichtigsten buddhistischen Tempel des Landes. Sie repräsentieren die drei „Juwelen“ des Buddhismus, also die drei wichtigsten Schätze. Dabei steht Tongdosa für Buddha selbst. Haeinsa, den ich am Vortag besucht habe, ist ein weiterer Juwelentempel und steht für die buddhistischen Lehren. Der dritte Haupttempel trägt den Namen Songgwangsa und repräsentiert die buddhistische Gemeinschaft. Songgwangsa liegt leider weder in der Nähe von Busan noch in der Nähe weiterer Sehenswürdigkeiten, daher werde ich da nicht unbedingt hinfahren. Da Tongdosa für Buddha steht werden hier angeblich auch ein paar persönliche Reliquien von Buddha aufbewahrt. Diese sind in einer buddhistischen „Stupa“ (übliches Grabmal für buddhistische Mönche) aufbewahrt, welche in einem abgegrenzten Bereich begutachtet und angebetet werden kann. Aufgrund dieser Stupa ist im Hauptgebäude des Tempels auch keine Buddha-Statue ausgestellt. Normalerweise ist das ein Ding der Unmöglichkeit in koreanischen Tempeln, daher ist Tongdosa auch als „Tempel ohne einen Buddha“ bekannt. Wer trotzdem lieber drinnen betet kann die Stupa durch ein großes Fenster an der Stirnfläche des Hauptgebäudes bewundern. Auf diese Weise ist auch hier Allwetterbeten möglich.

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Daegu - Teil 1

Schon wieder ein Geburtstag diese Woche! Aber zur Abwechslung nicht in unserer Abteilung, sondern der Geburtstag vom Vorsitzenden! Wenn jemand jetzt sehr respektvoll „der Vorsitzende“ sagt, so assoziiert man damit normalerweise automatisch China und den chinesischen Staatsvorsitzenden. Bei uns ist mit diesem Begriff allerdings der Vorsitzende der Firma gemeint! Der nimmt aber einen recht ähnlichen Stellenwert ein, da man sich bei dieser Firma sowieso ein wenig vorkommt wie bei der Bundeswehr. Das fängt bei der Uniform an, die im Buero zum Glück meist nur aus der Jacke besteht (wie gesagt gibt es aber auch noch einheitliche Mützen, Arbeitshosen, Polohemden, Arbeitsschuhe und Arbeitshandschuhe). Genau wie beim Bund wird bezüglich der Uniform auch einheitlich Sommer oder Winter „befohlen“, also der Wechsel von der Sommer- zur Winterjacke an einem bestimmten Datum. Einen UvD (Unteroffizier vom Dienst, für alle Frauen und Kriegsdienstverweigerer) haben wir auch. Jeder (außer dem Praktikanten und den Frauen) muss einmal pro Monat eine Nacht hierbleiben, kriegt dann auch so eine Armbinde wie beim Bund üblich und sitzt im Wachhäuschen! Und wenn jemand Wichtiges (also mindestens der eigene Abteilungsleiter) zur Bürotür herein- oder heraus spaziert, dann wird aufgestanden und gegrüßt. Gut, in diesem Fall ist Grüßen kein militärischer Gruß sondern eine Verbeugung, aber die Ähnlichkeit ist groß genug. Allerdings waren die Arbeitszeiten beim Bund besser... und manchmal sogar das Essen (das ich DAS einmal sagen darf).

Nun, unser General, will sagen Firmenvorsitzender, hat also Geburtstag gehabt. Ob er seinen direkten Kollegen Kimbap und Kuchen mitgebracht hat weiß ich nicht. Es gab an dem Tag aber mittags in der Kantine Fisch UND Fleisch (sonst ein Ding der Unmöglichkeit!!!), sowie Ttok. Ttok ist eine Süßigkeit aus Reis von gummiartiger Konsistenz und mit süßer Bohnenpaste gefüllt, falls ich das noch nicht erwähnt hatte. Schmeckt besser als es sich anhört, anfühlt und aussieht. Später wurde im Buero dann auch noch Limo verteilt. Ich hoffe, es haben bald noch mehr wichtige Leute Geburtstag!

Weitere wichtige Erkenntnis: Montags ist der Kaffee in der Firma umsonst. Das soll bestimmt wieder eine Maßnahme zur Produktivitätssteigerung sein. Ich halte es für die lobenswerteste und erfolgreichste Maßnahme dieser Art, die mir hier bisher untergekommen ist.

Ein neues Anti-Lieblingsgericht habe ich auch gefunden. Es heißt „Sundae“ und wurde vor 1 oder 2 Wochen schon mal aufgetischt. Nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen amerikanischen Eisnachtisch. Da mir koreanisches Sundae bisher nur einmal untergekommen ist habe ich gehofft dass dieses Zeug Seltenheitswert in der Kantine hat. Nun, den hat es nicht, es ist schon wieder aufgetaucht. Es sieht aus wie gräuliche Blutwurst (gräulich ist hier auch wirklich ein sehr passendes Wort) und schmeckt leider nicht nach Blutwurst sondern nach Innereien. Wenn man die Wurst genauer anguckt, dann sieht man auch alle möglichen Stückchen von Dingen, die man das letzte Mal in Biologie auf dem Seziertisch gesehen hat. Jetzt, wo ich weiß wie das Zeug heißt, konnte ich auch mal nachgoogeln was denn in diesem Essen so drin ist. Das Internet-Orakel antwortete mit „das weiß niemand so ganz genau“. Was für eine schön beunruhigende Antwort.

Die häufigste Variante besteht wohl aus gekochten oder gedämpften Schweine-Innereien, die mit Blut, Gerste und anderen Dingen, die gerade greifbar sind, gefüllt werden. Vom Geschmack her waren bei uns die Innereien mit noch mehr Innereien gefüllt. Man bemerke, dass hier „Innereien“ nicht weiter spezifiziert wird. Ich würde also mal auf alles tippen, was nicht in anderen Gerichten verwendet wird. Obwohl da nicht sehr viel übrig bleibt. Denn bis auf richtiges Fleisch wird hier eigentlich alles recht häufig aufgetischt. Warum, das ist mir ein Rätsel. Gut, Korea ist ein bergiges Land und hier kann man nicht viel Vieh halten, daher war Fleisch schon immer knapp. Aber z.B. Bauchspeck vom Schwein wird hier dermaßen gerne und häufig gegessen, dass es durchaus nicht mehr an Schweinen zu mangeln scheint. Von Kopf bis Fuß ist eigentlich so ziemlich jedes tierische Körperteil für den koreanischen Gaumen zum Verzehr geeignet. Kopf und Fuß sind dabei nicht sprichwörtlich zu verstehen. Aber ausgerechnet das normale FLEISCH sieht man hier quasi nie! Ich habe keinen Schimmer was sie mit dem Fleisch der Tiere machen! Wenn es mal richtiges Rind- oder Schweinefleisch gibt, dann ist es auf jeden Fall immer teuer. Entweder importieren sie nur die preiswerten Körperteile oder sie exportieren das teure Fleisch lieber statt es selbst zu essen, sonst geht die Rechnung irgendwie nicht auf (der Physiker würde jetzt etwas von Volumenkonstanz faseln).

Freitag trat noch ein Anlass zum Verzehr von Reiskuchen auf. Und zwar ist von irgendeinem Kollegen die Tochter 100 Tage alt geworden! Diesmal gab es aber wieder die Reiskuchenvariante, die aussieht wie ein rechteckiger weißer Schwamm und ein Bisschen brotähnlich ist. Leider haben sowohl dieser Kuchen wie auch die klebrigen kleinen gefüllten Gebäckstücke im Grunde genommen den gleichen Namen: ttok. Das sollte nicht mit dem Wort verwechselt werden das „dok“ ausgesprochen wird (fast wie „dog“ im Englischen), dabei handelt es sich nämlich um Hühnchen. Wobei mir Hühnchen hier bislang nur in Form von Kentucky Fried Chicken untergekommen ist (Hühnerfüße nicht mitgerechnet). Man feiert jedenfalls den 100. Tag des Lebens des (nach koreanischem Verständnis sowieso schon mindestens 1 Jahr alten) Kindes, weil man traditionell davon ausgeht dass ein Kind ab diesem Alter auch überlebensfähig ist. Früher sind wohl viele kleine Kinder kurz nach der Geburt verstorben, also sind die Koreaner in ihrer Eigenschaft als unverbesserliche Optimisten erstmal davon ausgegangen dass das Kind es wahrscheinlich eh nicht schafft.

Dieses Wochenende habe ich mich nochmal mit Caro zusammen getan um für 2 Tage nach Daegu zu fahren. Daegu ist die viertgrößte Stadt in Korea und etwa eine Stunde mit dem Bus entfernt. So eine Fahrt kostet hier etwa 3-5 Euro, je nachdem ob man mit „normalen“ Bussitzen zufrieden ist oder gerne einen Euro mehr für die gehobene Klasse zahlt. In der „Luxusklasse“ sind breitere Sitze verbaut und man hat je nach Busgesellschaft weitere Boni wie einen Bordservice (Essen und Getränke sind dann natürlich kostenpflichtig) oder einen Fernseher im Bus. Zum Glück war es am Samstag dann mal so richtig knackig kalt. In Daegu war es sogar noch kälter als in Busan. Als erstes Ziel haben wir uns den Haeinsa Tempel ausgeguckt, da dieser von Daegu nochmal eine gute Busstunde entfernt ist und man schlecht einplanen kann wie lange so eine Exkursion dauern wird. Der Bus fährt einen Großteil der Fahrt lang bergauf. Beim Aussteigen erwartete uns also plötzlich eine relativ menschenleere, von einer dünnen Schneeschicht durchzogene Berglandschaft. Die war zum einen sehr hübsch und zum anderen sehr kalt. Der Kälte hatten wir es wohl auch zu verdanken dass kaum andere Touristen dort unterwegs waren. Der Anzahl der Hotels und Restaurants nach zu urteilen ist Haeinsa nämlich ein sehr beliebtes Ausflugsziel für Koreaner.

Bei Haeinsa handelt es sich um einen der wichtigsten buddhistischen Tempel in Korea, in dem die sogenannte Tripitaka Koreana aufbewahrt wird. Dabei handelt es sich um die älteste und umfassendste intakte Sammlung Buddhistischer Schriften in Form von 81340 Druckplatten aus Holz. Die Druckplatten stammen aus dem 13. Jahrhundert und der Text ist angeblich vollständig Fehlerfrei. Die koreanische Schrift namens Hangul wurde zwar ebenfalls im 13. Jahrhundert erfunden, allerdings betrachtete die intellektuelle Elite sie bis Anfang des 20. Jahrhunderts als vulgär. Daher sind die Druckplatten der Tripitaka Koreana komplett in „Hanja“ Schrift gehalten. Hanja bezeichnet eine minimal koreanisierte Version der klassischen chinesischen Schriftzeichen. Diese Schrift hatte früher für chinesische und japanische Besucher den praktischen Vorteil, dass sie bei einem Besuch in Korea problemlos alle Hinweisschilder entziffern konnten. Dementsprechend müsste auch die Tripitaka Koreana für Chinesen und Japaner einigermaßen verständlich sein. Dazu sollte aber vielleicht noch gesagt werden dass auch China und Japan die ursprünglichen Schriftzeichen irgendwann vereinfacht haben, die Hanja Zeichen ähneln daher der klassischen chinesischen Schrift angeblich mehr als modernes Chinesisch.

Laut Lonely Planet haben die Mönche außerdem etwas sehr sinnvolles getan und den ganzen Text der Tripitaka abgetippt, damit er einfacher verbreitet werden kann. Da kaum noch ein Koreaner Hanja beherrscht ist der Text von den Mönchen außerdem in modernes Koreanisch umgewandelt worden. So viel Arbeit hat natürlich ihren Preis: wer eine Kopie des Textes haben möchte muss dafür läppische 2000€ auf den Tisch legen!

Dem geneigten Leser wird vielleicht aufgefallen sein, dass hölzerne Druckplatten nur begrenzt haltbar sind und außerdem ein prima Ziel für pyromanische Japaner darstellen sollten, die anscheinend immer wieder gerne nach Korea fahren um ihrer Leidenschaft freien Lauf zu lassen. Dem Feuer sind die Druckplatten wohl nur durch Glück entkommen, da der Tempel (wie zu erwarten) mindestens einmal von besagten Japanern niedergebrannt wurde und auch im Koreakrieg beinahe zerstört worden wäre. Gegen Schimmel und Moder werden die Platten hingegen durch das ausgeklügelte Aufbewahrungssystem geschützt. Die Aufbewahrungsgebäude sind wohl so gezielt belüftet und mit feuchtigkeitsregulierenden Materialien erbaut worden, dass die Druckplatten dadurch optimal geschützt werden. Angeblich meiden sogar Insekten und Kleintiere diese Gebäude, den Grund dafür ist aber unbekannt. Im Eifer die Holzplatten noch besser zu beschützen wurde in den 70er Jahren sogar eine neue, moderne und klimatisierte Aufbewahrungsanlage für die Platten errichtet. Der Test-Holzblock, welcher in der neuen Anlage platziert wurde, zeigte allerdings schon nach kurzer Zeit Spuren von Schimmel. Ergo stehen die Holzblöcke immer noch in den alten Lagerhäusern und wurden von der UNESCO als Weltkulturerbe ausgezeichnet. Man darf sogar ziemlich nah an die Holzplatten heran, aber innerhalb der Lagerhäuser ist Fotografieren leider verboten.

Nachdem wir uns also an Tempel, Holzblöcken, Mönchen und Kimchitöpfen sattgesehen hatten traten wir verfroren den Rückweg nach Daegu an. Vor Ort gab es dann erstmal ein wärmendes Mahl. Im Winter wird dazu das Trinkwasser in Korea oft warm serviert, was besonders amerikanische Touristen eher entsetzen dürfte (in Amerika sind Eiswürfel ja sowas wie ein Grundnahrungsmittel). Danach sind wir noch ein wenig durch die Innenstadt von Daegu geschlendert und haben unter anderem eine Straße mit lauter Geschäften für Hundewelpen sowie einen knallrosanen Hello Kitty Laden entdeckt. Sogar Weihnachtskarten gab es zu kaufen! Dieses Angebot richtet sich wahrscheinlich aber hauptsächlich an die Angehörigen der US Streitkräfte, welche an mehreren Stellen in Daegu stationiert sind. Weihnachten ist in Korea nämlich mehr ein Fest für Pärchen und auch für die koreanischen Christen eher ein religiöser Feiertag als ein großes Fest. Große Familienfeiern finden traditionell eher zum chinesischen Neujahrstag und an Chusoek (koreanisches Erntedankfest) statt. Bei den Weihnachtskarten und der (sparsamen) Weihnachtsdeko wurde allerdings endlich mal jedes Klischee erfüllt! Ein paar der unterhaltsamsten Beispiele koreanischer Weihnachtskartenkreativität habe ich käuflich erworben um damit auf postalischem Weg die Familie erschrecken zu können. Da ich allerdings noch nicht mal eine Ahnung habe wo hier eine Post ist und wie viel ein Brief nach Deutschland kostet werde ich es vermutlich bei den paar wenigen Grußkarten belassen... wer also keine Karte von mir kriegt und gerne eine gehabt hätte, der möge bitte Nachsicht üben!

Umgekehrt übertrifft meine Schreibwut wahrscheinlich Eure Leselust soweit es dieses Blog betrifft, daher lege ich an dieser Stelle wieder eine kleine Werbepause ein und Ihr könnt im nächsten Teil den Rest der Daegu Story lesen.



Neueste Einsicht in die engrische Sprache: ein Coffee-Shop und ein Copy-Shop sind in einer Sprache ohne „F“ schlecht auseinander zu halten.

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Familienphoto

Familienphoto

Taken on Oct 26, 2008 12:48:11 PM
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Das Paar mit der Verwandtschaft in der "Hochzeitsh...


Hochzeitspaar

Hochzeitspaar

Taken on Oct 26, 2008 12:41:01 PM
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Frisch vermählt.


Empfang

Empfang

Taken on Oct 26, 2008 11:56:48 AM
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Der Bräutigam und seine Eltern beim Begrüßen der G...


Nachtwanderung und Hochzeit

An diesem Wochenende standen zwei Firmen-Events auf dem Programm. Und zwar samstags ein Firmenausflug, sonntags dann die Hochzeit eines Kollegen. Naja, eigentlich kenne ich den „Kollegen“ kaum, aber er hat quasi alle Leute aus dem Entwicklungszentrum eingeladen und mich dann über den Umweg meines Mitbewohners auch.

Aber zuerst zur Nachtwanderung: alles was ich zunächst wusste war, dass wir „Samstag mit der Firma auf einen Berg klettern“. Aha. Dazu noch nachts. „Gut“ dachte ich „wenn das nachts ist wird die Strecke wohl nicht sehr schwierig sein. Aber nachts sieht man doch nichts?“. Ha! Auf jeden Fall war das wohl ein größeres Event und es mussten alle mitmachen weil Sungwoo Hitech (meine Firma) dabei Sponsor war. Treffpunkt war der “Haeundae” Strand nahe der Innenstadt von Busan am frühen Abend. Schien schonmal eine ziemlich noble Wohngegend zu sein. Als ich dann fast der einzige war, der nicht in Sportklamotten aufgetaucht ist und sich fast alle auch noch eine Startnummer auf den Bauch geklebt haben (irgendwo stand auch noch was von „Marathon“ auf dem Plakat) wurde ich etwas skeptisch. In Jeans, Pulli und Straßenschuhen laufe ich bestimmt keinen Marathon! Aber ich wurde beruhigt: es würde bestimmt keiner wirklich rennen. Aber warum ich denn keine Sportklamotten angezogen hätte? Weil mir es 1. mal wieder keiner gesagt und ich 2. auch keine große Auswahl an Sportmode mitnehmen konnte, es sind ja nur 20kg Gepäck bei Korean Air erlaubt. Wenigstens habe ich einen kostenlosen Rucksack bekommen. Das wahr sehr toll, weil ich meinen aus Platz- und Gewichtsgründen auch in Deutschland lassen musste (naja, eher ein „Rucksäckchen“, aber geschenkt ist geschenkt). Nur Taschenlampen waren aus, normalerweise ist bei jedem Rucksack eine dabei. Das sollte mich in dieser Nach noch sehr ärgern. Um 7 Uhr Abends war dann Start des „Marathons“ und es sind tatsächlich alle nur losspaziert, von „Marathon“ konnte keine Rede sein.

Sobald wir im Wald waren änderte sich der Spaziergangcharakter dieses Events allerdings erheblich! Bis auf ein grünes Knicklicht als Wegweiser alle paar hundert Meter gab es hier nämlich nur Taschenlampen als Beleuchtung. Wie schön, dass ich keine mehr abbekommen habe! Dazu ging es nicht die Straße entlang sondern tatsächlich über Stock und Stein. In Europa würde so ein Event aus Sicherheitsgründen wahrscheinlich gar nicht stattfinden können! Ich meine das mit den Stöcken und Steinen nämlich wortwörtlich! Der Berg steht zwar quasi mitten in der Stadt, ist aber von der Steile und der Anzahl der Steine her locker mit den Alpen zu vergleichen! Naja, nach anfänglichem Stau hat mein Chef dann jedenfalls ein ordentliches Tempo vorgelegt und ich habe natürlich zugesehen, dass ich da auch halbwegs mithalten konnte! Spätestens beim Anstieg zu unserem Zielgipfel (584 Meter höher als der Strand) plumpsten die Koreaner dann links und rechts vom Weg in den Wald um nach Luft zu hecheln. Oben angekommen waren aus unserer Gruppe (ursprünglich 10 Leute) nur noch mein Chef, ein Kollege und ich übrig. Sonst war auch keiner aus unserer Firma zu sehen. Also hat der komische Ausländer (ich) sich wenigstens beim Bergsteigen behauptet, auch wenn alle trotz ca. 15°C am Schwitzen waren als wären wir in der Sahara. Spätestens hier hätte ich allerdings gerne etwas gegessen (wir sind um 16 Uhr zu Hause weg, also zu früh für Abendessen). Am Start gab es wenigstens noch ein Scheibchen Kimbab (gefüllte Reisrolle, sieht ähnlich aus wie Sushi und wird als „Wurst“ mitgenommen und scheibchenweise verzehrt. Ob auch Fisch drin war kann ich nicht mit Sicherheit sagen, aber ich hatte eben Hunger). Der Blutzuckerspiegel war jedenfalls dann beim Gipfelsturm spürbar im Keller, aber mein Chef fing zum Glück auch schon an von Essen zu phantasieren. Der Abstieg war bis auf ein paar halsbrecherische Stellen dann angenehmer, nur hatte sich die Wanderkarawane mittlerweile so zerstreut, dass wir uns nicht sicher sein konnten ob wir auch den richtigen Weg gehen. Es gab nämlich 3 Varianten: 10km (den sind wir gegangen), 65km (für ganz harte) und noch eine mittlere Strecke (26km?). Das Risiko, noch 10km weiterlaufen zu müssen hat mich nicht gerade zur Euphorie getrieben. Skeptisch haben mich auch die Schilder „Achtung, Minenfeld“ am Wegesrand gemacht. Auch eine Methode um Wildpinkeln zu verhindern. Aber wir haben das Ziel doch noch gefunden, dort eine Medaille und was zu Futtern bekommen (z.B. süße Brötchen gefüllt mit süßer Bohnenpaste) und ich bin jeder Menge wichtigen Leute vorgestellt worden deren Namen ich sofort wieder vergessen habe. Gegen 1 Uhr nachts waren wir dann zum Glück wieder zu Hause.

Zum Glück war ja Wochenende und wir mussten am nächsten Tag erst um 7:30 Uhr in der Frühe aufstehen um rechtzeitig den Bus nach Daegu (drittgrößte Stadt Koreas, ca. 1,5 Stunden Fahrt) zu kriegen. Ich sollte ja noch eine koreanische Hochzeit bestaunen dürfen. Im Bus gab es tatsächlich so etwas wie Stewardessen, die uns erstmal mit Reis und anderem Futter (WAS habe ich da eigentlich gegessen???) versorgt haben. Limo und Bier nicht zu vergessen. Die Hochzeit selbst fand dann in einer „Hochzeitshalle“ statt. Das war ein großes Gebäude, in dem nur geheiratet wird. Und zwar synchron auf 4 Etagen in jeweils ca. 30-45 Minuten Abstand. Dementsprechend schnell ging auch die Zeremonie vorbei. Hauptbestandteile waren eine Photo-Lovestory des Brautpaares im Vorfeld, der aus dem Westen übernommene Hochzeitsmarsch (bei dem zwei Ordonanzen mit Säbeln Spalier standen?), Verbeugungen vor beiden Elternpaaren, Liegestütze des Bräutigams mit gebrüllten Liebesbekundungen inklusive Umklammerung ihrer Knöchel und das Anschneiden einer nebelumwaberten winzigen Hochzeitstorte mit einem riesigen Kuchenschwert. Die Torte hat glaube ich nie jemand gegessen. Danach gab es noch ganz viele Photosessions mit dem Brautpaar, das hat vermutlich länger gedauert als die eigentliche Zeremonie.

Sobald das ausgestanden war sind alle in das gegenüber liegende Restaurant (gegenüber = auf der gleichen Etage) gerannt, wo ein riesiges Büffet darauf wartete geplündert zu werden. Natürlich auch von einer Hochzeitsgesellschaft nach der anderen. Nach dem Essen bleiben die Koreaner eigentlich nie sitzen, dementsprechend sind auch fast alle danach sofort aufgestanden und wollten nach Hause gehen. Allerdings ist der Chef der Abteilung erst spät aufgetaucht, war also noch am Essen und alle mussten pflichtbewusst auf ihn warten. Dann tauchte das Brautpaar nochmal auf, sie jetzt im traditionellen koreanischen „Hanbok“, und musste noch ein dummes Spielchen über sich ergehen lassen. Und zwar durfte der Bräutigam ein rohes Ei trinken und bei einem Kuss in den Mund der Braut befördern. Der nicht besonders tiefgehende Symbolismus dieses Eiweißtransfers von Bräutigam zu Braut muss wohl nicht weiter erläutert werden. Es war aber ziemlich eklig. Ein beliebtes Spiel ist wohl auch, dem frischgebackenen Ehemann ein Reiskorn in die Unterhose zu stecken, welches die Braut zur Freude aller Anwesenden dann dort herausfischen muss.

Tja, damit war dann auch schon fertig geheiratet. Ab in den Bus, noch mehr Essen und Bier mitgenommen und zurück nach Hause. Die nächste Hochzeitsgesellschaft stürmt ja bereits herein. Am Ausgang habe ich dann auch noch einen männlichen Koreaner im traditionellen Hanbok gesehen. Und was soll ich sagen: das Gewand war grellpink und sah aus wie ein Kleidchen. Ich kann absolut verstehen warum die anderen Männer westliche Kleidung bevorzugen. Bilder von beiden Begebenheiten könnt Ihr Euch natürlich auch angucken!

Engrish-Satz des Tages: „Two weeks ago, I broke my girlfriend!“ :-D

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