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Umzug auf Koreanisch (2/2)

Weiter geht’s mit der Umzugsgeschichte. Kurze Gedächtnisstütze: der eigentliche Umzug war schon längst vorbei und meine Mitbewohner waren noch kräftig am Auspacken und Einräumen. Es folgt das Abendessen.

Das Abendessen verlief ähnlich harmonisch und elegant wie der Rest des Tages. Da meine Instant-Nudelsuppen auf mysteriöse Weise verschwunden waren (hmm... hatte da jemand kein Frühstück vorrätig weil alles aus dem Kühlschrank vergammelt ist?) habe ich gefragt ob sie Lust auf Abendessen hätten oder etwas aus dem Supermarkt bräuchten, da wollte ich nämlich gerade hingehen. Nein, sie wollten nix und hatten auch keinen Hunger. Also habe ich den nächsten Supermarkt lokalisiert und mir ein neues Nudelsüppchen als Abendessen geholt. Als dann wenig später die Nudelsuppe verzehrbereit in der Küche vor sich hin dampfte kamen die beiden anderen plötzlich an und meinten „Wir gehen jetzt essen, kommst Du?“. Ich zeigte nur noch ungläubig auf mein Süppchen. „Also... nee, mein Abendessen ist gerade fertig, jetzt esse ich es auch.“

Gut, vielleicht nicht sehr diplomatisch die anderen alleine essen gehen zu lassen, aber mal ehrlich... ist das denn so schwer mal vorher Bescheid zu sagen? Vor allem wenn ich auch noch frage? Andererseits sollte ich mich langsam wohl daran gewöhnt haben, dass diese Leute selten mehr als 5 Minuten weit vorausplanen und dass es schon mal die eine oder andere Kommunikationspanne gibt. Mein Mitbewohner kann nämlich auch schlechter Englisch als es scheint. Er spricht zwar verhältnismäßig akzentfrei, versteht aber längst nicht alles. Das versteckt er leider noch besser als die meisten seiner Landsmänner, denen man es auch immer an der Nasenspitze ansehen muss. Schließlich würde hier niemand freiwillig zugeben etwas nicht verstanden zu haben. Was einer reibungslosen Kommunikation nicht unbedingt förderlich ist. Aber viel zu oft redet der Junge absichtlich Unsinn, vor allem wenn die Wahrheit unangenehm wäre (sehr koreanisch!).

Zum Beispiel hatte ich mich darauf gefreut in der neuen Wohnung endlich mal die Heizung nutzen zu können. In der alten Wohnung argumentierte mein Mitbewohner nämlich damit, dass dort die Heizung über einen altmodischen Dieselgenerator betrieben wurde und das Öl dafür heutzutage viel zu teuer sei. Deswegen war die Heizung so gut wie nie an, es sei denn mein Mitbewohner, Vermieter und selbsternannter Herr über die Fußbodentemperatur (in Korea gibt es grundsätzlich Fußbodenheizung) hatte zufällig mal Lust sie einzuschalten, z.B. weil er Gäste hatte. In der neuen Wohnung haben wir aber eine modernere Heizung. Und von anderen koreanischen Wohnungen kenne ich nur durchgehend warme Fussböden, Frieren ist hier also keineswegs Volkssport (naja, vielleicht in Nordkorea). In unserer neuen Behausung war es jetzt erst einmal ganz schön kalt, also habe ich voller Vorfreude die Heizdecke erst einmal in den Schrank gepackt und als es abends kühler wurde dann die Heizung angemacht. Nachdem sich jedoch 1-2 Stunden später noch keine wirkliche Besserung der Fussboden- oder Zimmertemperatur einstellte bin ich noch mal gucken gegangen... und oh Wunder, die Heizung war plötzlich wieder aus und mein Mitbewohner hatte sich in seinem Zimmer versteckt. Ich liebe solche Kindertaktiken. Also habe ich die Heizung erst einmal ausgelassen und die Diskussion auf den nächsten Morgen verschoben. Und obwohl es langsam Frühling wird und in der neuen Wohnung weit weniger zieht als in der alten war es doch kalt genug dass ich am nächsten Morgen sofort wieder die Heizdecke rausgekramt habe. Das Thermometer im Wohnzimmer zeigte behagliche 17 °C in der Wohnung. Die nachfolgende Diskussion lief dann ungefähr so: „Sag mal... wir haben jetzt keine Ölheizung mehr und es ist doch recht kalt in der Wohnung. Also warum schaltest Du immer noch die Heizung aus?“ „Hab ich doch gar nicht.“ „Ich habe sie aber gestern Abend angemacht und kurz danach war sie wieder aus. Da muss schon jemand auf den Knopf gedrückt haben.“ „Ach so, das. Ja... wir sind ins Bett gegangen.“ Wie schön. Bleibt vielleicht hinzuzufügen dass die beiden anderen in ihrem Zimmer unter anderem einen Schreibtisch nebst Stühlen besitzen, also nicht auf dem kalten Fussboden sitzen müssen. Weitere Experimente haben ergeben dass der Fussboden in den Schlafzimmern sich leider auch kaum erwärmt wenn die Heizung läuft, das tut hauptsächlich nur der Boden im Wohnzimmer. Dafür braucht die Heizung locker 3 Stunden oder mehr um auf Temperatur zu kommen, sie also nur abends anzuschalten bringt rein gar nix. Aktuell scheinen wir bei einer Einstellung von 19°C Waffenstillstand geschlossen zu haben, aber die Heizdecke bleibt vorsichtshalber mal im Bett.

Übrigens habe ich dennoch starke Zweifel dass die Jungs beim Umzug wirklich die Nacht durchgemacht haben. Sie wirkten nämlich auch abends noch relativ fit, waren nicht am Gähnen und sind auch nicht früh ins Bett, sondern haben noch relativ lange durch die zahllosen neuen TV Kanäle geschaltet und Computer gespielt. Naja, kann mir eigentlich egal sein, ich lasse mich nur ungern verschaukeln.

Natürlich hatte ich mich auch zu früh gefreut als ich bereits kurz nach unserem Einzug wieder Internetzugang hatte. Die zwei Technikprofis aus dem anderen Zimmer haben nämlich kurz darauf beschlossen die dafür benötigten Geräte aus dem Wohnzimmer in ihr Zimmer zu transferieren. Nachdem die Internet-Anzeige von meinem Laptop gut 20 Mal von „Aus“ auf „An“ und wieder zurück gewechselt ist bin ich dann mal gucken gegangen was die beiden da treiben. „Sag mal, was macht ihr da eigentlich?“ „Oh, wir haben den Router ein paarmal neu gestartet, das Internet ging nicht.“ „Naja, das würde ich so nicht sagen. Bei mir ging es ja, wie ihr wisst. Zumindest bis jemand angefangen hat auf einem bestimmten Reset-Knopf herumzudrücken. Wenn ich ins Internet kann und ihr nicht, meinst Du dann wirklich das ändert sich wenn man nur oft genug den gleichen Knopf drückt?“ „Hmm. Hast Du jetzt noch Internet?“ „Nein. Aber irgendetwas sagt mir, dass das an einem bestimmten Knopf liegen könnte...“ Nach kurzer Wartepause ging dann auch wieder alles. Am nächsten Tag hat sich das Spielchen in ähnlicher Variante wiederholt. Diesmal hat mein Mitbewohner allerdings den Router ausgesteckt als ich gerade per Skype mit meinen Eltern telefoniert habe. Ich glaube langsam weiß ich warum es in koreanischen Haushalten kaum Messer gibt. In solchen Situationen kann das durchaus zur Vermeidung von Haushaltsunfällen beitragen!

Aber andererseits sollte ich wohl keine all zu hohen Ansprüche stellen. Schließlich wohne ich mit zwei Ingenieuren zusammen, die in stundenlanger Zusammenarbeit an der Reparatur eines Lichtschalters gescheitert sind (Das war noch in der alten Wohnung... den Schalter habe ich am allerersten Wochenende repariert um endlich wieder die Klotür schließen zu können ohne deswegen im Dunklen zu stehen. Sehr zum Verblüffen der beiden).

Am Wochenende hatte ich mir zur Abwechslung nur Ausschlafen vorgenommen. Danach habe ich mir dann überlegt, dass ich mir eigentlich mal etwas Leckeres kochen könnte. Zum Beispiel Spaghetti mit Tomatensauce. Erste Erkenntnis: kleine Supermärkte hier haben weder Knoblauch noch Tomaten in irgendeiner Form vorrätig, mit Ausnahme von kleinen Cocktailtomaten. Oregano etc. natürlich auch nicht. Also habe ich es mir anders überlegt und fertige Tomatensauce gekauft, laut Angaben sogar ohne künstliche Zusätze und Konservierungsstoffe. Zurück in der Wohnung stellte sich das Problem des eigentlichen Spaghettikochens. Wir haben eine Gasleitung und einen kleinen Gasherd, auf den hatte ich eigentlich gezählt. Dummerweise schienen Herd und Anschluss nicht kompatibel zu sein. Also Plan B: Die halbkaputten Elektrokochplatten aus der alten Wohnung, die hatte ich beim Umzug noch gesehen. Jetzt allerdings nicht mehr. Keine Ahnung wo meine beiden Zeitvertreiber die Elektroplatten versteckt haben, jedenfalls waren sie unauffindbar. Blieb noch Plan C: Der tragbare Gaskocher, den mein Mitbewohner in der alten Wohnung gerne benutzt hat. Für 1-2 Minuten ging der auch. Danach fing die Gaspatrone Feuer, vermutlich weil Gas am Übergang Patrone->Kocher entwich. Also Spaghettipackung fallengelassen, das Ding sofort ausgemacht und erst einmal gefreut dass nichts explodiert ist. Nur leider hatte ich immer noch Hunger, aber keinen Plan D. In der Situation hat mich die Tatsache gerettet dass die koreanischen Spaghetti schon vorgekocht waren und der neue Mitbewohner einen funktionierenden Wasserkocher mitgebracht hat. Diese komischen Nudeln müssen ja nur ein paar Minütchen in heißem Wasser „einweichen“. Während das Wasser langsam heiß wurde ist mir dann aufgefallen, dass wir noch nicht einmal Salz in der Wohnung haben. Dem Geschmack nach waren die vorgekochten Spaghetti aber auch schon vorgesalzen, also trotzdem genießbar. Die „Tomatensauce“ enttäuschte allerdings durch eine leicht ketchupartige Konsistenz.

Über die neue Wohnung kann ich aber eigentlich nicht meckern. Noch ist sie ziemlich sauber, auch wenn das nicht lange so bleibt wenn mein alter Mitbewohner weiterhin so fleißig putzt wie in seiner alten Wohnung. Es gibt fließend warmes Wasser ohne einen Dieselgenerator anwerfen zu müssen, also kann man jederzeit heiß duschen und mit heißem Wasser spülen. Der Wasserdruck ist außerdem vorbildlich (vorher... ach, lassen wir das), das Leitungswasser riecht nicht komisch (oder kaum), wir haben keine Ratten in der Decke, die Türen knallen nicht bei Wind, alle Steckdosen und Sicherungen funktionieren... eine deutliche Verbesserung also. Das Beste ist eigentlich der bereits erwähnte Einbauschrank. Da kann man Sachen hineintun statt sie auf den Fussboden zu legen oder im Koffer aufzubewahren. Große Klasse, sowas. Vor lauter Begeisterung kann man sogar über die hässliche und hellhörige Konstruktion des Gebäudes hinwegsehen, ich tippe aber auf ostalgische Plattenbauweise.

Sogar meinen Ersteindruck vom Fahrstuhl muss ich revidieren: Der Fahrstuhl sieht zwar schon komplett ramponiert aus, die Holzverkleidung innendrin ist aber anscheinend nur eingebaut um den Fahrstuhl vor Umzugsschäden zu schützen. Bis sämtliche Wohnungen belegt sind könnte es aber noch eine Weile dauern, die von Werbeaufklebern bedeckte Schutzverkleidung bleibt uns also erst einmal erhalten. Die Umgebung unseres neuen Heims ist eine komplett geplante Ministadt. Die Siedlung besteht aus verschiedenen Hochhausinseln unterschiedlicher Preisklassen. Wir wohnen natürlich im billigsten Viertel. Wer es etwas nobler mag zieht nach „Richeville“, was irgendwie nach einem Namen aus einem Richie Rich Comicbuch klingt. Super sind auch die „Lotte Castle“ Hochhäuser des allgegenwärtigen Lotte Konzerns. Als Logo prangen daran riesige gelbgoldene Adlerwappen, die nachts leuchten. Da diese Dinger aussehen wie Staatswappen oder Polizeiabzeichen mutet das Ganze abends ein wenig an wie eine Kulisse aus einem düsteren Science Fiction Streifen (so Richtung Judge Dredd, Vendetta oder Equilibrium). Um die Hochhäuser herum wurde alles platziert was man so braucht, von Spielplätzen, Supermärkten, Kirchen und Schulen bis zu einer Bank (leider bin ich bei einer anderen) und mehreren Taekwondo Schulen. Letzteres ärgert mich besonders. Jetzt, wo mein Aufenthalt hier quasi vorbei ist haben wir plötzlich ganze drei Taekwondo Clubs direkt vor der Haustür! Mal wieder perfektes Thai Ming (Thai Ming ist die alte asiatische Kunst immer genau pünktlich zu sein, später von Britischen Großmeistern zum sogenannten „ti-ming“ weiterentwickelt). Die praktisch denkenden Städteplaner haben auch direkt daran gedacht dass die ganzen Bewohner der neuen Hochhäuser ja auch irgendwohin müssen wenn sie fertig gewohnt haben. Ergo wurde hinter dem nächsten Hügel eine passende große Friedhofsanlage gebaut.

Zum Abschluss dieses (leider wieder viel zu lang gewordenen) Textes muss ich noch erwähnen, dass es diese Woche in der Firma noch einmal „westliches“ Essen gab. Das westlichste daran war eigentlich die Tatsache dass es Messer und Gabel dazu gab. Das Menü bestand nämlich aus einem panierten Schnitzel, Nudelsalat und Kartoffelsuppe. Klingt zwar recht europäisch, alle drei Gerichte gibt es aber auch hin- und wieder als Teil des normalen Essens. Nur eben nicht alle drei zusammen. Und die Schnitzelstückchen sind sonst kleiner, damit man sie besser mit Stäbchen essen kann. Aber wenn alles zusammen serviert wird merkt man doch schnell dass die Kantine mehr Erfahrung mit richtig koreanischem Essen hat! Das ist vor allem schade, weil die Kollegen (die übrigens scheinbar alle total auf Kartoffelsuppe stehen… würde ich aber auch wenn man versucht hätte mich mit Seetangsuppe großzuziehen) natürlich alle dachten ich wäre total happy westliches Essen zu kriegen. Aber ich will mich nicht beschweren: es war fisch- und seetangfrei, also prima. Zum Spaß habe ich dann das ungewohnte Besteck aus Messer und Gabel erst einmal verwirrt angeschaut und wie Stäbchen in die Hand genommen, den Scherz hat aber niemand verstanden. Mein Gegenüber schaute mich nur total entgeistert an und machte mir demonstrativ vor wie man das Esswerkzeug korrekt einsetzt. Wahrscheinlich sind asiatische Komödien deswegen auch immer total übertrieben… sonst merkt gar keiner dass gescherzt wird! Ein tolles Detail beim westlichen Essen war auch noch die Beigabe einer Orangenscheibe zum Schnitzel statt eines Zitronenstücks. Ich habe mich nur gewundert warum ich Orange auf mein Schnitzel träufeln soll und die Scheibe danach komplett ignoriert. Das hat bei der Tellerabgabe dann plötzlich für große Aufregung gesorgt. „Oh, guck mal, der Deutsche hat seine Orangenscheibe gar nicht mitgegessen!“ „Ja, wieso das denn nicht, die ist doch noch gut!“ Ein Kollege hat die Problemscheibe dann schnell aufgemampft. Lustig.

Ein kleines Mysterium wurde bei diesem Essen ebenfalls gelüftet. Und zwar war ein Kollege kürzlich eine Woche in Deutschland und hat mich danach gefragt warum wir Deutschen denn alle so schnell essen würden. Mich hat die Frage verwirrt, ich war nämlich der Meinung dass die Koreaner viel schneller essen. Meist bin ich als einer der letzten fertig und muss mich beeilen weil normalerweise alle gemeinsam aufstehen, die sich gemeinsam hingesetzt haben und Koreaner nun mal ein recht ungeduldiges Völkchen sind. Entsprechend verblüfft war ich als beim westlichen Essen alle länger gebraucht haben als ich. Messer und Gabel sind scheinbar für Ungeübte nicht unbedingt einfacher zu bedienen als Stäbchen!

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Umzug auf Koreanisch (1/2)

Wie letztlich schon angekündigt kam noch ein ganz besonderes Schmankerl auf mich zu: ein Umzug. Dabei ziehe ich schon in Deutschland nicht gerne um! Ich hatte ja noch die kleine Hoffnung dass ein Umzug in Korea weniger Aufwand bedeutet, schließlich gibt es kaum Möbel zu tragen. Selbstverständlich hätte ich es besser wissen müssen.

Die Umstände, die zum Umzug hinführten hätten mich eigentlich schon vorwarnen sollen. Zum Beispiel hatte mein Mitbewohner mal vor langer Zeit erwähnt dass er etwa im März umziehen möchte, mir aber hoch und heilig versprochen dass er damit warten würde bis ich wieder weg bin. Dann ist er irgendwann doch damit rausgerückt dass er früher umziehen will, wollte aber kein Datum nennen. Irgendwann hat er dann ein Datum festgelegt, dass mitten in der Woche auf einem Dienstag lag. Ich habe ihn dann erst einmal gefragt ob es nicht einfacher wäre an einem Wochenende umzuziehen. Schließlich war jeder Urlaubstag, den ich bisher bekommen habe (insgesamt 3) ein wahrer Kampf. Und sollte ich noch 1-2 weitere Tage bekommen hätte ich die lieber für den Besuch meiner Eltern eingesetzt als für einen Umzug. Aber nein, das wäre schon kein Problem mit dem Datum, so mein Mitbewohner, er würde sich um alles kümmern und ich soll mir um nichts Sorgen machen. Das habe ich erstmal für einen feinen Zug von ihm gehalten, schließlich bin ich nur mit einem Koffer und einer Tasche angereist, da ich bei Korean Air nur 20kg Gepäck einchecken durfte. Ergo hätten sie beim Umzug eigentlich auch nur zwei Taschen von mir mittransportieren müssen (und mein Bett, was aber im eigenen Interesse wäre, das dürfen sie nämlich behalten wenn ich abreise). Man bemerke dass ich jetzt in der Mehrzahl rede. Eine weitere Neuigkeit war nämlich, dass ich in der neuen Wohnung zwei Mitbewohner haben würde statt einem. Zusätzlich würde noch ein dritter Kollege eine Nachbarwohnung beziehen. Die neue Wohnung sollte zwei Zimmer plus Wohnzimmer haben, was die Frage aufkommen ließ wie man das zu dritt aufteilt. Zum Glück wollten sich die beiden freiwillig ein Zimmer teilen bis ich weg bin. Das tun sie meistens sowieso, sie haben nämlich auch sonst immer beieinander übernachtet wenn sie unter der Woche zusammen einen trinken waren (das ist ziemlich oft). Außerdem besitzt der neue Mitbewohner kein Bett, muss also sowieso warten bis ich mein Schlafmöbel zu seinen Gunsten räume.

Soweit klang also alles noch recht positiv. Aber (jaja, Ihr wusstet das jetzt ein aber kommt) irgendwann kam mein Mitbewohner dann morgens mit dem Satz an „Ich habe übrigens mit Deinem Chef geredet, er sagt es ist kein Problem und Du kriegst am Dienstag Urlaub für den Umzug“. Wenn Blicke töten könnten hätte ich plötzlich wieder alleine gewohnt. Das ist ihm dann auch nicht verborgen geblieben. „Oh, Du musst natürlich nicht helfen, Du kannst auch stattdessen zur Arbeit gehen.“ Sehr schön formuliert. Es hinterlässt bestimmt auch einen spitzenmäßigen Eindruck wenn ich zu meinem Chef gehe und sage „Ich möchte doch keinen Urlaub, ich habe keine Lust meinem Gastgeber zu helfen wie er meine Sachen in die neue Wohnung bringt.“ Also kam mir ein mühsames „Nein, das ist schon OK“ über die Lippen. Aber er hätte mich ja wenigstens mal fragen können ob ich mithelfe, wenn er schon das Datum festlegt und meine Urlaubstage verplant. Das war nämlich garantiert auch mein letzter Urlaubstag (insgesamt hatte ich also vier)! Als ich dann mal gefragt habe wie der Umzug denn ablaufen soll kam wieder nur Herumgedruckse heraus. Ob denn die anderen beiden dann mit uns am gleichen Tag umziehen und wir ihnen helfen hätte ich noch gerne gewusst. Nein, die würden schon vorher umziehen, meinte er.

So ca. 10 Tage vor dem Umzug fing er dann an mich zu nerven ich soll schon mal packen. Habe ich natürlich nicht, schließlich brauche ich keine Woche um einen Koffer zu packen. Ich war aber zu dem Zeitpunkt noch erfreut dass er soweit vorausplant. Meine nächste Frage war dann um wie viel Uhr wir denn dienstags anfangen würden. Nach langer Denkpause kam ein „Wie wär’s mit 11 Uhr?“ raus. Das war mir natürlich recht, so würde ich wenigstens an meinem freien Tag etwas ausschlafen können.

Es kam der Vorabend des Umzugs. Als ich nach Hause kam waren Kühlschrank, Waschmaschine und Kleiderständer schon weg (die Kleiderständer dienen als Schrankersatz). Die anderen hatten diese in ihrer Mittagspause schon abtransportiert. Theoretisch hätte ich mich darüber freuen können, schließlich bedeutete dies, dass ich die Geräte nicht schleppen musste. Praktisch hatte dies aber zur Folge, dass meine Kleider in Ermangelung eines Kleiderständers auf dem Boden lagen und der ehemalige Kühlschrankinhalt über die ganze Küche verteilt war. Der bestand nun aber größtenteils aus Dingen, die mein Mitbewohner schon lange über ihr Verfallsdatum hinaus in Kühlschrank und Gefrierfach untergebracht hatte. Es breitete sich bereits das liebliche Aroma von aufgetautem gammeligem Fisch in der Küche aus und die Ratten rasten schon hungrig in der Decke hin und her. Welch eine Freude. Also schnell ein paar Müllbeutel gepackt und alles möglichst luftdicht verschlossen. Rausbringen konnte ich den Müll nicht, dazu braucht man nämlich bestimmte Pfandbeutel, die je nach Wohngebiet in unterschiedlichen Varianten erhältlich sind. Trotz beharrlichen Fragens hat mir mein WG-Partner aber nie erklärt wo man diese Müllbeutel kauft und woran man erkennt dass es die richtigen sind. Ich war da also mal wieder komplett auf meinen Mitbewohner angewiesen, der die Dinger leider nur in ziemlich unregelmäßigen Abständen anschleppte (insgesamt nur drei Mal in vier Monaten, jeweils immer nur EINEN Müllbeutel!).

Jetzt hatte sich im Gefrierfach des verschwundenen Kühlschranks aber auch noch ein wenig von meinem eigenen (unverdorbenen!) Essen befunden. Das war natürlich auch längst aufgetaut. Also musste erst einmal Abendessen gekocht werden. Eigentlich wollte ich danach auch spülen, nur war die ganze Spüle schon mit dreckigem Geschirr meines Mitbewohners voll und die Anrichte um die Spüle herum komplett mit Müll belegt. Normalerweise hätte ich seine Sachen ja trotzdem mitgespült, das habe ich in den vergangenen Monaten aber schon ziemlich häufig gemacht. Oft blieb mir auch gar keine Wahl, so viel Geschirr hat mein Wohnungsgenosse nämlich nicht und er lässt seine benutzten Töpfe, Teller und Tassen gerne auch mal 2-3 Wochen in der Spüle stehen. Stört ihn ja nicht, er verbringt schließlich kaum Zeit in seiner Wohnung. Also habe ich beschlossen dass er das Ausnahmsweise mal selber machen darf, er hatte ja noch den ganzen Abend und den nächsten Vormittag dafür Zeit.

Nach dem Essen habe ich also in Ruhe mein Zeug gepackt und mich unterdessen gewundert wo mein Mitbewohner schon wieder blieb, schließlich waren meine Sachen schon fast alle im Koffer, seine Sachen aber erst zu einem Bruchteil eingepackt. Und das, wo er mir doch ständig auf die Nerven gegangen ist ich solle ja früh genug anfangen zu packen. Irgendwann kam er dann doch in die Wohnung gestolpert und fragte mich ob es ok wäre wenn wir erst um 12 anfangen statt um 11, er wolle nämlich nochmal weg. Das erntete erst einmal hoch gezogene Augenbrauen. Mit einem demonstrativen Blick in sein Zimmer habe ich ihm dann gesagt dass mir das egal wäre (Juhu! Länger schlafen!), wollte aber wissen wie er seine ganzen Sachen bis dahin denn fertig kriegen würde. „Oh, das ist kein Problem, mach Dir keine Sorgen“, so die Antwort. Und weg war er. Ich fand es zwar irgendwie merkwürdig, dass er sogar am Abend vor dem Umzug mit seinen Kumpanen einen trinken gehen wollte (macht man sowas nicht hinterher?), aber das war ja nicht meine Sache.

Am nächsten Morgen wurde ich dann durch laute Aufräum-Geräusche aus der Küche aufgeweckt. „Super, klingt als kümmert er sich endlich mal um Müll und Geschirr, “ dachte ich mir. Da das Gerümpel und Rumoren länger dauerte war leider nichts mehr mit Ausschlafen an meinem freien Tag und ich dachte mir „Gut, stehst Du halt auf uns hilfst ihm etwas.“ Sobald ich den Kopf zu meiner Zimmertür rausstreckte fiel mir erst einmal auf, dass mein Mitbewohner nicht allein mit Aufräumen beschäftigt war. Die zwei Kollegen, welche mit uns ins gleiche neue Haus ziehen wollten, waren nämlich auch dabei. In der Küche sah es aber noch nicht viel ordentlicher aus als am Vorabend. Dafür waren es erst etwa 9 Uhr morgens, nicht 11 oder gar 12. Ergo lauteten meine ersten Worte ungefähr „Guten morgen! Warum habt ihr denn schon so früh angefangen?“. Antwort meines WG-Genossen „Früh? Ich hab doch gesagt wir fangen um 1 Uhr morgens an!“

An dieser Stelle hätte ich ihn fast ausgelacht, war aber viel zu irritiert dafür. Meine verblüffte Antwort war also nur so etwas wie „Nein, hast Du nicht. Um 1 Uhr war ich aber übrigens noch wach, es wäre mir also aufgefallen wenn ihr dann angefangen hättet. Aber WARUM sollte man mitten in der Nacht umziehen?“ Darauf gab es natürlich mal wieder keine Antwort. Genau genommen hatte er weder 1 Uhr gesagt, noch dass er nachts anfangen wollte, noch dass die anderen beiden mit umziehen würden. Um ehrlich zu sein kann ich immer noch nicht ganz rekonstruieren was die drei Jungs angeblich die ganze Nacht getrieben haben. Soweit ich weiß sind die anderen beiden wohl schon nachts bzw. frühmorgens umgezogen und mein Mitbewohner hat die ganze Nacht lang seinen Krempel gepackt. Hätte man auch früher machen können, vor allem in Anbetracht dessen dass er mich oft genug damit genervt hat ich solle schon einmal anfangen zu packen. Trotz allem waren meine restlichen Sachen kurz darauf auch transportbereit und ich habe mich bemüht den anderen beim Tragen möglichst zu helfen um die leicht feindselige Stimmung etwas zu entschärfen. Sobald alles auf der Straße stand wurde dann telefonisch ein offener Lastwagen herbeizitiert (siehe Foto). Da kaum Möbel zu transportieren waren hat alles irgendwie drauf gepasst.

In der neuen Wohnung ging alles wie gewohnt rückwärts: Erst ausladen, dann hochtragen, diesmal allerdings mit Aufzug. Der erstaunlichste Einrichtungsgegenstand, den dieser Umzug ans Tageslicht beförderte, war übrigens eine niegelnagelneue Trommelwaschmaschine! Also so ein Modell wie man es auch aus Deutschland gewohnt ist. Das z.B. mit heißem Wasser waschen kann, im Gegensatz zu der Waschmaschine, die wir bisher gebraucht haben. Das war nämlich so ein Billigmodell nach amerikanischem Vorbild, wo man die Wäsche von oben hineinwirft und ein „Rührquirl“ in der Mitte die Wäsche dann irgendwie durchmischt. Mit heißem Wasser kann man da nur waschen wenn man es von Hand dazu gießt. Die neue Waschmaschine war bisher in einer großen Kiste in der Abstellkammer versteckt gewesen. In der neuen Wohnung steht sie neben einer weiteren Waschmaschine auf dem Balkon, ist aber nicht angeschlossen. Fragt mich nicht warum, wahrscheinlich findet mein Mitbewohner dass es zu viel Strom kostet mit heißem Wasser zu waschen oder zu hygienisch ist. Vielleicht betrachtet er sie auch als Geldanlage und will ihren Wiederverkaufswert nicht durch Gebrauch verringern. Um die Verwirrung komplett zu machen: Die Waschmaschine, die aktuell angeschlossen ist und benutzt wird ist keine der bisher erwähnten. Sie ist aber fast baugleich mit unserer alten und gehört wohl dem neuen Mitbewohner. Von der alten Maschine kann ich nur vermuten dass sie bei unserem Nachbarn gelandet ist. Spätestens als beim Umzug Waschmaschine Nummer drei auftauchte konnte ich wirklich nicht mehr anders als meinen Mitbewohner zu fragen wann er angefangen hat Waschmaschinen zu sammeln. „Vor zwei Jahren“, lautete seine trockene Antwort. Ironie und Sarkasmus scheinen hier wirklich unbekannt zu sein. Meine Lieblingsentdeckung in dem Zusammenhang ist übrigens, dass unsere neue Wohnung sogar einen Heißwasseranschluss für Waschmaschinen bietet. Man muss also noch nicht einmal eine Waschmaschine mit Heizstab besitzen, sondern kann das Ding auch unmittelbar an eine Heißwasserleitung anschließen. Offensichtlich ist aber auch diese Variante meinen Wohnungsgenossen zuwider.

Nach einem Mittagessen vom Lieferservice haben sich die beiden jedenfalls wieder in die alte Wohnung verdrückt um dort sauberzumachen. Nach einer Ansage vom Hausmeister ist dann erst einmal der Strom ausgefallen. So ganz fertig schien unser neues Wohnhaus wohl noch nicht zu sein. Das hatte aber immerhin den Vorteil, dass Fahrstuhl und Klingel für eine Weile außer Gefecht waren und ich somit in Ruhe mit dem Aufräumen anfangen konnte. Sobald der Strom nämlich wieder da war wurde quasi bei uns Sturm geklingelt. Anscheinend bleibt so ein Einzug hier nicht lange unbemerkt und es kamen sofort jede Menge Leute mit Werbung vorbei, angefangen vom Supermarkt um die Ecke über Werbung für Einrichtungsgegenstände (Möbel? Nein, danke, sowas benutzen wir nicht) bis zur Kinderbetreuung. Wobei ich dem Angebot für Jalousien oder Vorhänge nicht abgeneigt gewesen wäre. Genau wie mein altes Zimmer hat mein neues Zimmer nämlich zwei große Schiebetüren, die auf einen der Balkons hinausführen (verglaste Balkons sind essentiell für koreanische Wohnungen). Allerdings waren die alten Türen aus Milchglas, die neuen sind durchsichtig. Bisher ist zum Glück auch das Haus gegenüber nur spärlich bewohnt, man fühlt sich aber doch ein wenig beobachtet. Außerdem hat das den surrealen Effekt zur Folge dass es abends bei mir in der Wohnung heller wird wenn die Nachbarn schräg gegenüber das Licht anmachen. Zusaetzlich zu den Werbebesuchen am ersten Tag kam auch noch der eine oder andere Handwerker vorbei, zum Beispiel um noch etwas an den Türen herum zu schrauben bis diese auch alle vernünftig schlossen. Da ich die meiste Zeit an diesem Nachmittag alleine in der Wohnung war wurde mein beschränktes Vokabular auf eine harte Probe gestellt und mein Gesprächspart bestand größtenteils aus den Antworten „Ja“, „Nein“ und „Ich spreche nicht gut Koreanisch“. Als dann der Techniker auftauchte, der das Internet anschließen sollte, sind meine zwei Mitbewohner zum Glück kurzzeitig aufgetaucht.

Das ist übrigens eine der wenigen Sachen, die hier wirklich besser funktionieren als zu Hause. Ein kurzer Anruf genügt und schon taucht ein Techniker auf, der einem noch am selben Tag einen Internetanschluss freischaltet. In der neuen Wohnung sind auch schon in jedem Zimmer Netwerkanschlüsse vorinstalliert, so dass man theoretisch den PC nur noch einstöpseln muss. Praktisch war es aber so dass meine zwei Mitbewohner Kabelfernsehen haben wollten und es wohl billiger ist dann beim Kabelnetzbetreiber auch direkt einen Internetzugang mitzubestellen. Also nutzen wir nicht die Netzwerkanbindung mit voreingebauten Dosen, sondern kriegen Internet uebers Fernsehkabel und haben wieder ein Netzwerkkabel vom Router aus quer durch die Wohnung liegen. Ich wohne also immer noch im Land mit den weltweit durchschnittlich schnellsten Internetanbindungen, habe jetzt aber dank der ausgefuchsten Sparpläne meiner Gastgeber eine langsamere Verbindung als zu Hause in Deutschland, obwohl wir in eine viel modernere Wohnung gezogen sind... Fortschritt, wir kommen!

Nachdem der Fernsehheini da war habe ich die zwei noch darauf aufmerksam gemacht dass in der nagelneuen Wohnung im Badezimmer Wasser von der Decke tropft und es wurde ein Klempner bestellt um diesen Zustand zu bereinigen, danach waren die beiden wieder futsch. Um die Wogen ein wenig zu glätten habe ich neben des Einräumens meines eigenen Zimmers noch das Bett im anderen Zimmer aufgebaut, das Geschirr eingeräumt und im Wohnzimmer etwas Ordnung geschaffen. Entschuldigt für das Missverständnis mit der Anfangszeit habe ich mich später auch noch. Mittlerweile springe ich hier schon so oft über meinen eigenen Schatten dass ich Muskelkater davon kriege. Jedenfalls habe ich natürlich nicht alles gemacht, schließlich will ich weder die Unterhosen der beiden einräumen noch weiß ich wo sie die hinhaben wollen. Was natürlich dazu geführt hat dass die zwei noch ewig am Räumen waren als ich schon längst fertig war. Hilfe haben sie ausgeschlagen, waren aber offensichtlich motzig dass sie immer noch arbeiten mussten während ich schon längst fertig war.


So, um Eure Geduld und Augen zu schonen kommt hier eine kleine optische Pause. Den Rest des Umzugsdramas könnt Ihr im nachfolgenden zweiten Teil lesen! Die Pause nutze ich um noch einen schönen Satz aus der koreanischen Fernsehwerbung unterzubringen:

„Learn Engrish!“ :-D

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Auch eine Möglichkeit Dreck sichtbar zu machen: Ei...


Superstaubsauger

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Taken on Dec 10, 2008 8:58:04 PM
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Staubsauger mit "Fernbedienung" im Griff und Gelen...


Unsere alte Küche

Unsere alte Küche

Taken on Oct 25, 2008 2:49:25 PM
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Wie oft in Korea üblich: kein fest eingebauter Her...


UN Flaggen

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Taken on Jan 10, 2009 5:32:45 PM
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Flaggen der Nationen, die am Koreakrieg auf UN Sei...


UN Friedhof 2

UN Friedhof 2

Taken on Jan 10, 2009 5:16:21 PM
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Noch eine Ansicht vom UN Friedhof.


UN Friedhof

UN Friedhof

Taken on Jan 10, 2009 5:11:33 PM
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Der UN Friedhof in Busan (weltweit die einzige Anl...


Pisten

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Taken on Feb 6, 2009 10:58:21 PM
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Die "Talstation" von Eden Valley. Gerade nicht im...


Skigruppenfoto

Skigruppenfoto

Taken on Feb 6, 2009 9:55:43 PM
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Vor diesem Foto haben alle ein Bier getrunken, dah...


Hong Kong-Teil1

Nihao! Das Wichtigste vorweg: Ich habe sowohl Weihnachten wie auch Hong Kong lebendig überstanden! Bevor ich von meinem Besuch in der ehemaligen britischen Kronkolonie berichte will ich jedoch noch kurz auf mein Weihnachten in Korea eingehen.

Weihnachten ist in diesem Land aus europäischer Sicht sehr unweihnachtlich. Es ist zwar sehr schön nicht ununterbrochen mit Weihnachtsliedern berieselt zu werden sobald man das Haus verlässt, aber ein Bisschen mehr Dekoration und Weihnachtlichkeit wäre durchaus nett gewesen! Heiligabend ist hier ein ganz normaler Arbeitstag. Bei uns stand eine Neuordnung des Büros an, da sich zum neuen Jahr die Arbeitsgruppen ändern. Ab mittags wurden also Möbel geschleppt (jahaa... im Buero haben wir sowas!) und Trennwände umgebaut. Ich durfte dabei Zeuge einer atemberaubenden Demonstration koreanischer Ineffektivität werden. Es gab zwar vorher glaube ich ein Meeting wo der ganze Vorgang besprochen wurde und unser Abteilungsleiter sollte das Ganze irgendwie beaufsichtigen, viel gebracht hat das aber nicht. Meistens standen 10 Leute im Kreis um 3 Leute, die damit beschäftigt waren einen Job für 1-2 Personen zu erledigen und warteten darauf, dass sie helfen konnten. Ich habe in Ermangelung einer Aufgabe erstmal meinen neuen Schreibtisch sauber gemacht und meine Sachen dorthin getragen. Das hat höchstens 15 Minuten gedauert, damit war ich meinen Kollegen aber schon mal gute 2 Stunden voraus. Meine Lieblingsszene in dem Schauspiel war übrigens als eine einzige Stellwand volle 7 Mal auf- und abgebaut werden musste weil jedes Mal jemand etwas falsch gemacht hatte. Dabei hat auch keiner der Vorgesetzten direkte Anweisungen erteilt. Alle haben irgendwie vor sich hin gewurschtelt und wenn sie fertig waren kam ein Oberindianer vorbei und hat ihnen gesagt was sie falsch gemacht haben. Diese Prozedur wurde so lange wiederholt bis die tatsächliche Situation auch dem Plan entsprach, der von der neuen Sitzordnung gemacht worden war. Eben bis zu 7 Mal im schlechtesten (lustigsten?) Fall. Besonders leid getan hat mir dabei der Kollege der in der Nacht vor dem Umzug Nachtschicht schieben musste. Er musste nämlich auch für das Umräumen dableiben und diese Aktion fand schließlich nachmittags statt. Er hatte am Ende einen Arbeitstag von etwa 35 Stunden. Ich glaube es gibt Leute die in einer ganzen Woche noch nicht mal so viel arbeiten müssen!

Interessant war es auch mal unter den Fussboden im Buero gucken zu können. Der ist nämlich leicht angehoben, damit man unter den Bodenplatten Kabel verlegen kann. Die zu verändernden Netzwerkkabel habe ich aber nur mit Handschuhen angefasst, es gab nämlich deutliche Anzeichen von Ratten in diesem Zwischenraum. Schlimm genug, diese Viecher auf dem Dachboden unserer Wohnung zu haben! In den Werkhallen der Firma kann man sie wohl auch schlecht vermeiden. Aber Ratten im Buero?! Unglaublich, dass sich da niemand dran stört! Es hat aber nicht nach Ratte gestunken, daher hoffe ich mal dass der Zwischenraum aktuell nicht bewohnt ist.

Nach der Bastelaktion durften wir eine ganze Stunde früher nach Hause gehen! Wahnsinn. Dafür gab’s kein Abendessen. Und ich hatte zu hoffen gewagt, dass es Weihnachten vielleicht was Leckeres in der Kantine gibt. Ergo war Ramyon mein Weihnachtsessen (Instantsuppe, in Japan „Ramen“ genannt), dazu gab’s ein paar Kekse als Weihnachtsplätzchen-Ersatz. Und Krombacher. Das habe ich letztlich zufällig in einem Supermarkt in der Stadt gefunden. Ich bin zwar eigentlich kein großer Krombacher-Fan, aber besser als koreanisches Pseudobier ist es alle Mal! Mit der Familie zu Hause habe ich natürlich auch noch telefoniert, aber Weihnachten alleine kann ich trotzdem nicht weiterempfehlen. Ich wäre ja noch irgendwo hin gegangen um nicht alleine Trübsal zu blasen, aber wer das Nachtleben von Jeonggwan kennt, der bleibt lieber direkt zu Hause. Da ich noch nicht mal weiß woran man eine katholische Kirche hier erkennt, mal abgesehen davon dass ich dort kein Wort verstehen würde, gab es dieses Jahr auch keine Christmette. Also habe ich die Koffer für Hong Kong gepackt und ein wenig aufgeräumt. Leicht frustriert vom umweihnachtlichsten Heiligabend jemals bin ich dann reichlich spät ins Bett, nur um ganz verdutzt plötzlich leise Weihnachtslieder zu hören. Bis ich die Klangquelle im Treppenhaus geortet hatte waren die Sternsinger (ich verwende mal diesen Begriff in Ermangelung einer besseren Übersetzung für „Christmas carolers“) leider auch schon fertig mit singen. Ein schneller Blick aus dem Fenster zeigte mir jedoch vier mit großen Einkaufstüten bewaffnete Koreaner, zwei davon weiblich. Seitdem weiß ich dass Ajummas sogar nachts ihre komischen Sonnenschutz-Schirmmützen tragen (auf den Fotos ist ein Beispiel, was für Sonnenschutzdinger ich meine). Die Tüten dienen dem Einsammeln von Süßigkeiten für die Kinder in der Kirche, ein wenig wie zu St.Martin bei uns. Man geht hier um Mitternacht in die Messe, danach singend von Tür zu Tür und dann nochmal in die Kirche (soweit ich weiß). Christliche Koreaner nehmen den Kirchenbesuch meist etwas ernster als man es im Westen tut und rennen sogar an normalen Sonntagen unter Umständen dreimal in die Kirche. Da mein Chef mir allerdings letzte Woche versichert hat dass das nächtliche Singen nur noch weiter draußen auf dem Land gemacht wird hatte ich natürlich nix da zum Verteilen. Die Kekse waren ja schon aufgegessen. Und ein Auftritt von mir im Schlafanzug hätte sie wohl sowieso schockiert. Aber ich habe mich über das kleine Bisschen Weihnachtlichkeit trotzdem sehr gefreut.

So, genug von dem Depri-Thema, es ging ja noch nach Hong Kong! Mein Abflug war leider erst abends, aber die Anreise zum Kimhae Flughafen dauert von hier aus schon ein Weilchen! Ich wollte dann vorher auch noch ein wenig durch die Stadt schlendern, aber da der erste Weihnachtstag auch hier ein Feiertag ist war die Innenstadt gerammelt voll und aus dem Schlendern wurde mehr so etwas wie ein Drängeln. Um das verpasste Weihnachtsessen nachzuholen habe ich mir allerdings noch ein Steak in einem der vielen Outback Steakhäuser gegönnt! Lecker! Für koreanische Verhältnisse ist so ein Mahl natürlich unverschämt teuer, aber viel mehr als die Pizza letztlich hat es eigentlich auch nicht gekostet. Wer möchte, der kann sein Steak in Korea natürlich auch mit Bulgogisauce haben (nein, ich möchte nicht).

Der Flug nach Hong Kong war ein wenig ungewöhnlich. Normalerweise ist es in Flugzeugen ja eher kühl. Auf Flügen innerhalb von Asien scheinen aber gefühlte 30°C als behaglich zu gelten. Und die Leute haben teilweise noch die Jacke anbehalten! Dazu hat mein Sitznachbar sich schön breit gemacht und sich anscheinend extra für mich den ganzen Tag nur von Knoblauch ernährt. Nach der Landung habe ich das Flugzeug daher fluchtartig verlassen und mich auf die kühle, frische Außenluft gefreut… und hätte vorher mal besser den Wetterbericht studiert. Trotz der nächtlichen Ankunftszeit waren es noch locker 19°C bei mindestens 70% Luftfeuchtigkeit… die Winterjacke ist umgehend in die Tasche gewandert! Auch in Sachen Höflichkeit und Drängelei bin ich leider vom Nieselregen in die Traufe geraten! Die ganzen Leute in der überfüllten Innenstadt von Busan am Nachmittag hatten mich ja schon genervt, aber sobald man von Chinesen umgeben ist lernt man umgehend zu schätzen wie höflich und gesittet es in Korea zugeht! Ich konnte auch nicht umhin zu bemerken dass ich mich längst an koreanische Sitten gewöhnt habe. Chinesen verbeugen sich nämlich nicht wenn sie grüßen. Erster Gedanke: Mensch, sind die unhöflich hier! Auch die Sicherheit ist in Korea wesentlich höher. Angeblich ist Hong Kong zwar recht sicher, aber bei meinem ersten kleinen Spaziergang hat man direkt schon wieder versucht mir Drogen und Nutten anzudrehen. Ich muss wohl sehr kauffreudig aussehen, in Spanien haben sie das dieses Jahr auch ständig versucht. Dabei war ich noch nicht einmal in einer schlechten Gegend von Hong Kong! In Busan ist mir das jedenfalls noch nie passiert. Tagsüber lauern dafür statt Drogendealern überall indische Schneider und versuchen penetrant Maßanzüge und –Hemden an den Mann zu bringen. Am schlimmsten ist der frühe Abend, wo sich die Arbeitszeiten von Schneidern, Dealern und Nutten überschneiden. Da hilft nur noch die Flucht, es sei denn man legt Wert darauf sich unter Drogeneinfluss von einer Nutte für einen Anzug ausmessen zu lassen. Außerdem scheinen die Chinesen allergisch dagegen zu sein mehr als nur ein paar Schritte zu Fuß zurückzulegen. Mein Taxifahrer hat mich nämlich wie erwartet am falschen Hotel abgesetzt, obwohl ich ihm sogar auf einer Karte genau gezeigt habe wo ich hinmöchte und den Namen meines Hotels zigfach wiederholt habe. Unser Hotel hieß Stanford Hillview, er hat mich aber lieber zum Intercontinental Grand Stanford Hotel gefahren. Zum Glück liegen beide Hotels in Shim Sha Tsui im Distrikt Kowloon (das ist die Halbinsel gegenüber der eigentlichen Hong Kong Insel). Also bin ich ins Intercontinental reingegangen und habe mir auf meiner Karte von der Rezeptionistin zeigen lassen wo ich bin, damit ich den Restweg zu Fuß zurücklegen kann (ich war nur mit Handgepäck unterwegs). Sie hat mir auch brav das Hotel auf der Karte gezeigt und wollte mir dann ein Taxi rufen. Das habe ich dankend abgelehnt, ich wollte nämlich irgendwann ankommen. Daraufhin hat sie große Augen gekriegt und meinte ich könne die Strecke doch nicht ernsthaft zu Fuß gehen wollen. Das würde ja mindestens 10-15 Minuten dauern! Ich habe aber diesen zehnminütigen Gewaltmarsch tapfer auf mich genommen und das richtige Stanford Hotel daraufhin problemlos gefunden.

Die Luft in Hong Kong würde allerdings davon profitieren wenn hin- und wieder mal jemand zu Fuß gehen würde! Über Seoul und Busan hängt ja schon so eine gelbliche Dunstglocke wenn man die Städte vom Flugzeug aus betrachtet. Hong Kong kann man dafür quasi gar nicht vom Flugzeug aus betrachten, es wird nämlich vom Smog versteckt! Sogar wenn man innerhalb der Stadt etwas fotografieren möchte merkt man das sehr stark: Sobald ein Objekt ein Stückchen weit entfernt ist liegt ein nebliger Schleier darüber. Bei meiner Ankunft lag aber sowieso eine geschlossene Wolkendecke über der Gegend und Hong Kong ließ sich nur als leuchtender Fleck Wolken erraten. Der Ersteindruck ist trotzdem der einer ziemlich schmutzigen Stadt. Obwohl es in Busan nur wenig Mülleimer gibt und die Leute dort alles auf die Straße werfen ist der Boden dort sauberer als in Hong Kong! Dafür ist es aber auch lustiger in Hong Kong. Am ersten Abend bin ich gegen 2-3 Uhr nachts noch ein wenig rumgelaufen und es war überall jede Menge los. Dafür habe ich aber auch für das eine Bier, was ich mir anlässlich meiner Ankunft genehmigt habe, satte 5 Euro gezahlt. Und das war eine ganz normale Bar, keine edle Hotelbar oder Ähnliches! Im Hotel war ich übrigens tatsaechlich schockiert darüber, dass es beim Betreten des Zimmers keinen Bereich zum Schuhe ausziehen gibt. Und keine Latschen fürs Badezimmer! Unglaublich, wie unkultiviert die Chinesen sind! ^^

Dafür kann man in Hong Kong in jedem kleinen Minisupermarkt so essentielle Sachen wie Papiertaschentücher (sogar von Tempo!) und Deo kaufen. In Korea gibt es selbst in riesigen Supermärkten meist nix anderes als Kleenex (in der Box) oder Klopapier! Beides nicht gerade für die Jackentasche geeignet, daher bin ich zwischenzeitlich notgedrungen schon auf Stofftaschentücher umgestiegen. Jetzt wird aber erstmal wieder gepflegt in Tempos geschnieft. Kiki hat mich übrigens aufgeklärt dass es in China auch sehr nötig ist immer Papiertaschentücher dabei zu haben. Ohne eine solche Ausrüstung kann man sich bei Besuch einer öffentlichen chinesischen Toilette nämlich unter Umständen in eine ziemliche Sackgasse manövrieren. In Korea soll es theoretisch auch genug Klos ohne Klopapier geben, aber bisher ist mir so etwas hier noch nicht untergekommen. Aber wo wir gerade bei interessanten Produkten sind muss ich nochmal schnell gedanklich zum Flug zurückkehren: mein Nebenmann (der Knoblauchkerl) hat sich nämlich zum Essen im Flugzeug ein Bier bestellt. Als Markenlogo prangte nur ein „S“ auf der Dose mit dem Untertitel „stylish beer“. Ist glaube ich eine chinesische Marke, aber der Name ist ja mal top! Dafür gab’s in Busan am Flughafen Soju in kleinen Tetrapaks. Wahrscheinlich damit die Alkis unterwegs nicht verdursten. Zurück zum Thema.

An meinem ersten vollen Tag in Hong Kong sollte ich noch alleine unterwegs sein und wollte mir so viel angucken wie möglich. Als den einen Tempel, den ich mir mindestens angucken wollte, hatte ich den Tempel der 10000 Buddhas (Maan Fat Ji) auserkoren! Der liegt etwas außerhalb der Stadt in Sha Tin, es hat sich also angeboten erst dorthin zu fahren bevor ich die Innenstadt in Angriff nehme. Dagegen sprach, dass ich gerne das Abfeuern der Noonday Gun sehen wollte. Dabei handelt es sich um eine Kanone, die auf Hong Kong Island steht und jeden Tag um 12 Uhr mittags abgefeuert wird. So etwas gibt es noch in verschiedenen Hafenstädten der Welt, da die Schiffe früher ein verlässliches Zeitsignal brauchten um ihre Uhren stellen zu können. Die Noonday Gun in Hong Kong hat aber einen anderen Ursprung. Und zwar hat die Jardines Handelsgesellschaft irgendwann um 1860 einmal die Frechheit besessen, die Ankunft ihres Tai Pan mit Salutschüssen zu feiern. Die britische Royal Navy war allerdings der Auffassung, dass solche Ehren nur Militäroffizieren zustehen. Als Strafe wurde die Jardines Gesellschaft dazu verdonnert diese Kanone täglich um 12 Uhr mittags als Zeitsignal abzufeuern. Und das macht sie eben heute noch. Weil ich aber nicht wegen der blöden Kanone den halben Tag vertrödeln wollte bin ich lieber erstmal zur Waterfront in Kowloon gegangen und habe mir die dunstige Skyline von Hong Kong Island angeguckt. Direkt am Wasser ist übrigens auch die sogenannte Avenue of Stars, wo ähnlich dem Walk of Fame in Hollywood die Stars des Hong Kong Kino verewigt werden. Teilweise mit, teilweise ohne Handabdrücke im Beton. Ein paar filmbezogene Bronzestatuen stehen dort auch noch, vor denen sich Reihenweise Chinesen ablichten lassen. Als ich fertig war mit Gucken und Fotografieren war es auch schon fast 12. Ich bin also noch 5 Minuten länger geblieben und konnte anhand des lauten Knalls vom anderen Ufer feststellen, dass Jardines tatsaechlich um Punkt 12 eine Kanone abfeuert. Nur sehen kann man die Kanone von Kowloon aus nicht, sie steht nämlich in einer Bucht. Somit war auch das abgehakt und es konnte mit der U-Bahn (heißt in Hong Kong MTR) ab nach Sha Tin gehen.

Sha Tin ist eindeutig eine gute Ecke ländlicher als Kowloon und bietet wesentlich mehr Grünzeug in der Umgebung. Erster Programmpunkt war Mittagessen! Es gab aber auf den ersten Blick nur Fast Food Ketten und Selbstbedienungsbäckereien. Und wenn ich schon mal in China bin, dann möchte ich auch etwas halbwegs Chinesisches essen! Nach kurzer Suche habe ich dann auch einen passenden Imbiss entdeckt. Allerdings habe ich damit auch den ersten Ort in Hong Kong entdeckt wo ich mit Englisch GAR NICHT weiterkam. Irgendwie habe ich es aber geschafft mir Essen zu bestellen: Reis mit Rindfleisch und Tee. Was gab’s als Überraschungsbeilage? Kimchi! Können die Chinesen gar nicht. Der schlechteste Kimchi, den ich je gegessen habe. Und glaubt mir, ich habe schon viel Kimchi gegessen!

Nach einem kleinen Umweg durch ein chinesisches Wohngebiet (auch sehr interessant) habe ich dann den Tempel lokalisiert. Ich habe zwar keine Schilder dafür gesehen, wusste aber dass das Ding hinter dem Ikea liegt. Man bemerke, dass es sogar in Hong Kong mittlerweile Ikea gibt. In Korea ist mir bislang allerdings weder ein Ikea noch sonst ein großes Möbelhaus untergekommen. Weiter im Text: Der Tempel der 10.000 Buddhas heißt so, weil 10.000 quasi die größte Zahl im chinesischen Zahlensystem ist. Oder war. Keine Ahnung, wie die dann ihre Einwohner zählen. Die Koreaner tendieren auch immer dazu Sachen in Einheiten von 10.000 zu zählen, statt in 1000ern, wie bei uns üblich. Der Titel soll jedenfalls eher so etwas wie „Tempel der zahllosen Buddhas“ heißen. „Tempel der zahllosen Treppenstufen“ wäre aber auch ein guter Name. Bei Dezemberwetter war der Aufstieg noch machbar ohne am Ende all zu sehr zu schwitzen, im Sommer möchte ich diese Treppe aber nicht erklimmen müssen! Ganz clevere nehmen die Rolltreppe nebenan, landen dann aber im falschen Tempel auf einem Friedhof und wundern sich warum es im Tempel der 10.000 Buddhas kaum Buddhas gibt. Zumindest habe ich schon mehrere derartige Berichte im Netz gesehen. Den richtigen Eingang findet man aber auch nur mit Glück, wenn man nicht Bescheid weiß. Oder wenn man den netten Wachmann auf dem Parkplatz vor dem Friedhof fragt. Ein anderer passender Name für den Tempel wäre übrigens Plastikbuddhatempel. Es gibt nämlich hunderte lebensgroße Buddhastatuen aus Plastik dort, größtenteils vergoldet. Und die vergoldete Mumie des Mönches, der das Kloster gegründet hat. Guckt Euch einfach die Bilder an. Ich habe mich ja letztlich schon über EINEN goldenen Plastikbuddha in Korea aufgeregt, aber ein ganzer Tempel voller Plastik gefällt mir nicht. Auch wenn es irgendwie sehr chinesisch ist.

Ein weiterer Unterschied ist der, dass in China oft mitten im Tempel Geschäfte sind. Irgendwie pietätslos, finde ich (in der Bibel gibt’s eine bekannte Stelle zu dem Thema...). Auch mitten im Gebetsraum kann man oft Souvenirs kaufen, mal abgesehen von den Räucherstäbchen, welche in keinem chinesischen Tempel fehlen dürfen. Die hält man sich dann beim Beten vor die Stirn, egal ob der Tempel buddhistisch, taoistisch oder konfuzianistisch ist. In allen Tempeln wird in China auch Essen geopfert, bei Buddha aber bevorzugt vegetarisch. Schön ist auch der Kontrast zwischen den Hinweisschildern. In Korea hängen in Tempeln Schilder wie „bitte vor Betreten des Gebetsraumes die Schuhe ausziehen“ oder „bitte nicht den Buddha fotografieren“. In China stehen da Sachen wie „bitte im Tempel kein Feuer machen“ oder „bitte hier nicht auf den Boden spucken“. Schön war auch als ich später im Man Mo Tempel überlegt habe ob dort Fotografieren erlaubt ist und auf das Schild „bitte bauen sie hier keine Stative auf“ gestoßen bin. Sehr schön. Das mit dem Feuer erklärt sich übrigens dadurch, dass die Chinesen im Tempel gerne Papier verbrennen. Ich glaube da schreibt man dann vorher seine Gebete oder Wünsche drauf, weiß es aber nicht sicher. Beliebt ist auch noch das Schütteln von Wahrsagestäbchen... man schüttelt so lange eine Dose mit nummerierten Stäbchen bis eins rausfällt (auch wieder in Tempeln jeglicher Konfession) und guckt dann auf einer Tabelle nach was es bedeutet. Der Spruch auf der Tabelle ist aber meist mehrdeutig und muss natürlich von einem kostenpflichtigen Wahrsager noch interpretiert werden!

So, kurze Pause, den nächsten Teil gibt’s dann morgen!


Engrisch-Durchsage auf dem Rollfeld in Busan: „You will now take off [...]“ (mit „you“ statt „we“). Entgegen ihrer Ankündigung ist die Stewardess, welche die Durchsage gemacht hat aber auch mitgekommen.

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Kellnerin/Köchin bei der Arbeit.


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